The Walking Dead S01E06 – TS-19

Wie immer alles voller Spoiler, auf gar keinen Fall lesen, wenn Ihr die Folge noch nicht gesehen habt.

Die letzte Folge der ersten Staffel der Serienverfilmung von The Walking Dead steigt mit einer Rückblende ein, die Shane dabei zeigt, wie er mitten in der Apokalypse, grade als die ganze Welt hops geht, seinen Freund und Kollegen Rick zu retten versucht, der, wie wir wissen, im Koma liegt. Auf den Krankenhausfluren laufen Soldaten in Gasmasken rum und schießen alles wieder, was sich bewegt, das Gebäude wird bombardiert, woraufhin Ricks EKG ausfällt und Shane anschließend fälschlich annimmt, er wäre tot.

Schnitt zurück, wir sehen die Gruppe der Überlebenden beim Betritt des CDC, man gönnt sich einen netten Abend mit gemeinsamen Essen und jeder Menge Wein, Shane stellt betrunken Lori zur Rede, die er dabei beinahe vergewaltigt. Am nächsten Tag erklärt Dr. Jenner so halb die Zombieseuche (ein Virus reaktiviert das Hirn, aber nur das Stammhirn), als Dale die Aufmerksamkeit auf einen Countdown richtet. Dieser bedeutet für das CDC, so erfahren wir, die Restlaufzeit der Energieversorgung des Gebäudes und nach dem Ablauf wird das Gebäude dekontaminiert, in dem es die Luft in Brand setzt und so jedes Lebewesen darin in seine Bestandteile zerlegt.

Nun kommt Dr. Jenner auf die grandiose Idee, er müsse die ganze Gruppe einschließen (denn sie könne ja ohnehin nicht den Hauptausgang öffnen) auf das sie mit ihm ordentlich abbruzzeln solle. Selbstverständlich überzeugt ihn Rick nach ein bisschen Hin und Her inklusive dem durchdrehenden Shane vom Gegenteil, die Gruppe bombt sich den Weg nach draußen und flüchtet, während das CDC in einer gigantischen CGI-Explosion in die Luft fliegt. And that's it.

Wie man vielleicht bereits an meiner Wortwahl merkt: I am not amused. Diese Folge ist mit einigem Abstand die schlechteste der gesamten Staffel, dramaturgisch ist hier so viel falsch, das es kracht. Und all das ist doppelt schlimm, denn es handelt sich hier um den Abschluß einer Serienstaffel.

Cliffhanger sucht man in diesem Staffelfinale vergebens. Merle bleibt ganz einfach komplett verschwunden, selbst sein Bruder, in den letzten Folgen zur vielleicht interessantesten Figur geworden, erwähnt in mit keinem Wort und bleibt selbst blass. Das einzige, das man als Cliffhanger bezeichnen könnte, sind ein paar Worte, die Dr. Jenner Rick bei der Flucht aus dem CDC ins Ohr raunt. Sehr wahrscheinlich ein Hinweis auf die Verursacher des Outbreaks und/oder der Standort weiterer Hinweise. Ansonsten greift das Finale keinen einzigen der verstreuten Storylines auf, weder Merle noch Morgan werden im Finale erwähnt, beides ist irritierend, ich könnte mir drei Dutzend toller Szenen mit Merle als Cliffhanger vorstellen.

Das Timing ist furchtbar. Die Fast-Vergewaltigungsszene kommt aus dem Nichts und passt so überhaupt nicht zum Einstieg in die Folge, die Shane im positiven Licht darstellt. Selbstverständlich soll das alles Shane als missverstandenen Helden zeichnen, der seinen eigenen Heroismus durch Impulsivität zuwiderläuft, nur folgt man diesem Sub-Plot der Serie nur widerwillig. Die Motive des Doktors erscheinen komplett unsinnig, seine Entscheidung, die Gruppe einzusperren sogar, gemessen an seinem Auftreten komplett unglaubwürdig. Die Gruppe akzeptiert die Entscheidung einer Person, im Feuerball zurückzubleiben. Das wird ohne jegliche Widerworte akzeptiert und die Figur, deren Namen ich nichtmal mehr weiß, muss sich so richtig scheiße behandelt fühlen – sowohl von der Gruppe als auch den Drehbuchautoren. Und die CGI-Explosion sah aus, wie… nun ja: Eine CGI-Explosion.

Die sechste und letzte Folge war ein erstaunlich schwacher Abschluß einer Serie mit starkem Auftakt, die ansonsten aber eher durchwachsen war, man merkt ihr definitiv ein sehr schwaches Drehbuch an mit lichten Momenten, wahrscheinlich ist es deshalb nicht die schlechteste Entscheidung einiger der Autoren, die Serie zu verlassen (Darabont hat nicht die gesamten Autoren gefeuert).

Insgesamt kann ich der Show leider nicht mehr als 3 von 5 Sternen geben. Eine okaye Bewertung mit viel Luft nach oben, für mehr sind die Schwächen der Show leider zu ausgeprägt. Immerhin haben sie die Verfilmung meines Lieblingscomics nicht komplett in den Sand gesetzt, was durchaus eine Menge Wert ist: Die Schauspieler sind gut und passend besetzt, Kamera, Szenenbild und Maske sind sehr gut bis fantastisch, die Inszenierung mehr als ordentlich. Und: TWD ist die einzige Zombie-Serie, die wir haben. Mit einem enormen Steigerungspotential.

Vorher auf Nerdcore:
The Walking Dead S01E01 – Frame by Frame
The Walking Dead S01E02
The Walking Dead S01E03 – Halbzeit
The Walking Dead S01E04 – Lunchtime, Baby!
The Walking Dead S01E05 – Wildfire