True Mud: Sesame Street does True Blood


(Youtube Direktblood, via Devour)

Ich nutze die True Blood-Parodie der Sesamstraße mal dafür, um mal ein bisschen über die Lieblingsvampirserie von jedermann abzuranten. Ich habe mir True Blood nämlich neulich praktisch am Stück angesehen, alle Folgen aller Staffeln hintereinander weg. Und leider muss man sagen: Nach einem durchaus gelungenen Auftakt wird die Serie zunehmend platter und beknackter.

Das Setting der Serie ist zu Beginn superinteressant und durchdacht: Vampire in Real Life, die sich scheinbar mit einem Blutersatz-Energydrink zufrieden geben und friedlich mit den Menschen koexistieren wollen. Natürlich alles nicht so einfach und natürlich bleiben Vampire immer noch untote Blutsauger, das ganze noch angesiedelt in Louisiana, dessen Südstaatenslang der Serie einen ungewöhnlichen surrealen Touch gibt. Spannend! Und was macht die Serie aus diesem spannenden Setting? Einen konfusen, platten Haufen Blödsinn, das macht sie daraus. Der ist zwar immer noch unterhaltsam, aber das verschenkte Potential macht mich sauer.

Spätestens ab der zweiten Staffel hat jeder einzelne Charakter der Serie irgendwelche paranormalen Fähigkeiten oder Erlebnisse, die Serie beschränkt sich nicht auf die Vampire, nein, auf einmal gibt es Formwandler, Werwölfe, Hexen, Elfen… dazu diese wirre Mischung aus gritty Psychohorror, der sich in stellenweise sehr drastischen Splatter- und Gore-Szenen zeigt, und beinahe schon Slapstick-Momenten. Etwa, wenn die Damen, die sich eine ganze Staffel lang durch Blut, Leichen und Vampire gekämpft haben, beim Anblick einer einzigen Leiche in hysterisches Gekreische ausbrechen. Das soll comichaft sein, wirkt aber nur unpassend. Man möchte gar nicht glaube, dass True Blood von Alan Ball erdacht wurde, der schon die wunderbar subtile Serie Serie Six Feet Under erfunden hatte.

Nicht falsch verstehen: Ich mag True Blood und man muss der Serie ja dankbar sein, dass sie dem Teeniesex-Unsinn von Twilight etwas entgegensetzt. Aber ich fühle mich etwas verarscht, wenn eine Serie über Vampire ihre Hauptfigur „Sookie“ nennt. Bill sucks Sookie sucks Bills Dick. Jaja, viel platter geht's nicht. Oder wenn der sympathische, aber völlig irre Junkie-Bruder in der zweiten Staffel mal schwups zum gläubigen Christen mutiert um in der dritten Staffel schwups zurückzumutieren. Charakterentwicklung done wrong.

Aber gottseidank gibt es bei True Blood immer wieder tolle Momente, die mich die Serie nicht ganz abschreiben lassen, die allerbeste gab's dann auch neulich zum Ende der dritten Staffel und, nun ja, solange True Blood nicht so blödsinnig wird, wie Lost, ist alles gut. Hier jedenfalls nochmal Russell Edgington beim Herzrausreißen, live im Fernsehen. Jede Serie, die sowas zeigt, hat bei mir erstmal ein Stein im Brett.


(Youtube Direktblood)