Behind Haroshis Sk8-Sculptures

06.07.2010 Misc #Art #Japan

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Haroshi Hand

Fabian ist Gastautor und bloggt normalerweise auf Stories of a Journeyman über seine Erlebnisse als Designer auf der Walz

Oké, die Bilder an sich werden kein "HellYeah" mehr hervorrufen - zu bekannt sind die Dinger schon. Die Story dahinter war mir dennoch einen Artikel wert...

Die Petronas Art Gallery, zugehörig zu den berühmten Petronas Twin Towers, gehörte erstmals zum Aufgebot der Austellungsreihe auf der diesjährigen Kuala Lumpur Design Week. In fast musealer Atmosphäre gab es hier grösstenteils japanische Nachwuchskünstler und Designer, aber auch einzelne nationale Teilnehmer zu bestaunen. Wo Multimediainstallationen in nahezu vollkommener Dunkelheit ihre Wirkung nicht verfehlten und tofuköpfigen Spielfiguren durch Glaskästen ein heiligenähnlicher Status verliehen wurde, konnte man ebenso die bemerkenswerten Skateboardskulpturen von Haroshi in dramatischer Beleuchtung unter die Lupe nehmen.

Der letzte gemeinsame Abend aller internationalen Gäste der Design Week warf dann zu guter letzt auch ein erläuterndes Licht auf die Person Haroshi und die Entstehung seiner Kunst, denn nachdem ich mit Akinori Kojima, Gründer der japanischen Freelance-Agentur Asterisk, bei einem Bier die Tage revue passieren liess, erfuhr ich fast nebenbei, dass er nicht nur Redner auf einer der Konferenzen war, sondern gleichzeitig Freund und Promoter von eben jenem Haroshi.

So kam ich also zu der bildhaften Beschreibung der Werkstatt Haroshis, dass diese mittlerweile mit rund 30.000 benutzten Skateboards eingedeckt ist und er viel Zeit damit verbringt die Skateboard-Decks in gleichgrosse Würfel zu zerschneiden oder einzelne Schichten zerbrochener Decks zu Kuben zusammenzuleimen, bevor er mit der eigentlichen skulpturalen Arbeit beginnt. Auf die Frage, was mit den übrigen Einzelteilen wie Rollen, Schrauben oder Kugellagern passiert, erklärte er mir, dass Haroshi diese entweder in seine Gemälde integriert oder aber in die Hohlräume der Skulpturen einarbeitet. Und hätte ich dies schon während meines Besuchs der Petronas Art Gallery gewusst, ich hätte womöglich den Moment abgepasst in dem der Wächter einen unaufmerksamen Moment über sich ergehen liess, um den Totenkopf mit beiden Händen an mein Ohr zu halten und den Kokosnuss-Reifetest durchzuführen.

Haroshi skull Haroshi Moose

Doch wie kam es zu dem Ruhm Haroshis, dessen Name bis kurz zuvor nur ein fragendes Kopfschütteln von mir geerntet hätte?

Bis vor einem Jahr war er noch ein unbeschriebenes Blatt in der Kunstszene, aus dem schlichten Grund, dass er noch nichts produziert hatte, was auf dem Markt als Kunst bezeichnet hätte werden können. Mit der Profession des Goldschmieds unterhielt er lange Zeit einen mehr oder minder gut laufenden Ebay Shop und leistete sich jährlich einen Messestand auf der Juweliermesse in Tokyo. Seit jeher begeisterter Skateboarder und leidenschaftlicher Sammler von Ueberresten eben jenen Hobbies kreierte er 2009 erstmals einen Totenkopf aus Skateboardüberresten, aus dem einzigen Grund seine Goldschmiedearbeiten aus der Juwliermasse der Messe hervorzuheben.

Und diesen gewöhnlichen Messetag kann man heute wohl als das Ende des Goldschmieds und den Beginn des rasanten Aufstiegs des Künstlers Haroshi bezeichnen, denn kaum einer interessierte sich an jenem Tag für seinen Schmuck. Alle wollten wissen, wie sie an so eine Skulptur kommen konnten. Haroshi reagierte schnell, kreierte und produzierte, hatte kurz darauf seine erste Ausstellung, eine noch kürzere Dauer später einen Promoter. Es ging weiter mit der ersten internationalen Ausstellung, weltweiten Anfragen von Gallerien, die ihn ausstellen wollten und gipfelte schlussendlich in der bisherigen Krönung: Nach nicht einmal einem halben Jahr als aktiver Künstler bekam er das Angebot der Jonathan Levine Gallery im nächsten Jahr seine Werke in New York zu präsentieren.
Ein Ritterschlag, und dies nur allzu passend als Happy End zur märchenhaften Geschichte eines Skateboardvernarrten Goldschmieds, der auszog, um über Nacht zum gefeierten Star der Kunstzsene zu werden.

"Aber wenn er eines der Highlights hier auf der Design Week ist", frage ich Akinori, "warum ist er nicht unter den Gästen?"
"Er sitzt in seiner Werkstatt, Tag und Nacht, und arbeitet an neuen Skulpturen" entgegnet mir Akinori.

Natürlich, was auch sonst. Er hat viel nachzuholen.

Haroshis website

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