Doku: Surf Now, Apocalypse Later (plus Chuck Berry live)


(Arte Direktsurf)

Schöne Doku, hatte ich gestern abend auf Arte gesehen: „Surf Now, Apocalypse Later“ zeigt den Einfluß der Surfer auf die Hippies und die Protestbewegung.

Anfang der 60er Jahre erlebte die amerikanische Nachkriegsgeneration in einem wirtschaftlich boomenden Land eine Ära der Sorglosigkeit. Doch unterschwellig begann es, in der Gesellschaft zu brodeln. Der Kalte Krieg spitzte sich zu, Rassenunruhen forderten ihre Opfer, die Kriminalität erlebte einen Anstieg und die sexuelle Revolution schritt voran. Die braven Bürger begannen, sich große Sorgen um ihre Sprösslinge zu machen, deren Leben scheinbar nur noch von Rauschgift und Sex beherrscht wurde.

Eine auf Jugendlichkeit und persönliches Glück ausgerichtete Kultur übte eine ungeheure Anziehungskraft auf Millionen von Jugendlichen aus, die auf der Suche nach Abwechslung und Freiheit waren. Zum Vorbild wurde die unbeschwerte Welt der südkalifornischen Surfer. Sie diente dann auch dem Mainstreamkino aus Hollywood als Hintergrund für die Rehabilitierung traditioneller Werte.
In den von den großen Studios produzierten sogenannten Beach-Party-Movies wurde das Surfermilieu als zwar lässig, aber letztlich brav schöngefärbt. So kehrten die strammen, muskelbepackten jungen Männer und die Mädchen aus gutem Hause nach mehr oder weniger dekadenten Ausschweifungen immer wieder zu den traditionellen Werten Amerikas zurück. Doch es gibt auch Gegenbeispiele. So kommen die Jugendlichen in "Big Wednesday - Tag der Entscheidung" von John Milius eher wild und undiszipliniert daher.

Die Keule des Vietnamkriegs traf die verwöhnte Generation mit voller Wucht und stürzte die Gesellschaft in eine tiefe Krise. Diesen Wertewechsel untersucht der Dokumentarfilm am Beispiel der idyllischen Welt der kalifornischen Strände. Er zeigt, wie eine sorglose Jugend plötzlich und unwiederbringlich ihre von der sozialen Wirklichkeit abgekoppelte Traumwelt verliert.

Auch toll, auch gestern abend gesehen: Chuck Berry Live at BBC Theatre 1972.


(Arte Direktchuck)

Chuck Berry ist eine der wichtigsten und legendärsten Persönlichkeiten des Rock'n'Roll. Er wurde 1926 in St. Louis geboren, wo er noch heute einmal im Monat im Blueberry Hill Club Konzerte gibt. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1947 arbeite er bei General Motors und begann sich für Musik zu interessieren.
Entscheidend für Berrys Musikerkarriere war die Begegnung mit Muddy Waters im Jahr 1955. Mehrere Gefängnisaufenthalte bekräftigten seinen schlechten Ruf, doch sein Beitrag zur Musik ist bis heute einmalig und sein musikalischer Einfluss unbestreitbar. Bedeutende Künstler wie Elvis Presley, die Beatles und die Rolling Stones, aber auch das Electric Light Orchestra und der französische Sänger Eddy Mitchell spielten Berrys größte Hits. Angus Young, Lead-Gitarrist von AC/DC, nahm sogar den berühmten Duckwalk in sein Bühnenprogramm auf.