Polizeigewalt am 1. Mai


(Youtube Direktfacekick, via Nils)

Ich schätze mal, Ihr habt dieses Video bereits gesehen: Ein Trupp Polizisten stürmt am 1. Mai in den schwarzen Block, ein junger Mann kommt zu Fall, ein Beamter stolpert über ihn und der ihm nachfolgende Polizist tritt ihm ins Gesicht. Gegen den Beamten wird bereits ermittelt, ob er allerdings seiner gerechten Strafe zugeführt wird, ist zweifelhaft. Alles sehr unschön, bemerkenswert finde ich aber etwas anderes.

Nämlich die halbe Sekunde, kurz bevor der Mann zutritt. Man sieht den Jungen auf dem Boden liegen, ganz und gar wehrlos und ohne ein jegliches Anzeichen von gewaltbereitschaft. Man sieht den Polizisten, wie er für einen Bruchteil einer Sekunde zögert und überlegt, wie er mit dem „Hindernis“ umgehen soll, selbst als er das Bein anhebt, scheint er noch keine Entscheidung gefällt zu haben, ob er nun einfach über das Hindernis laufen soll. Er entscheidet sich für den Tritt in die Fresse.

Was wir in dieser halben Sekunde gesehen haben, ist die ganz bewusste Entscheidung eines Menschen, Gewalt gegen Wehrlose anzuwenden. Wir sehen hier „das Böse“ in Reinkultur und ich kenne das aus eigener Erfahrung.

Ich war 13 Jahre alt, ein ziemlich gefrusteter Teenager und werde es nie vergessen: Alleine auf dem Pausenhof komme ich grade vom Pinkeln, da sehe ich einen kleineren Mitschüler den Gang entlangrennen, genau auf mich zu und ich denke: Wenn ich dem jetzt ein Bein stelle, fliegt er gnadenlos aufs Maul. Und ich tat genau das und als ich sah, was ich angerichtet hatte, wurde mir ziemlich kalt und ich habe tatsächlich bis heute ein schlechtes Gewissen. Ich schätze, eine ähnliche Situation erlebt jeder in seinem Leben, trifft genau diese Entscheidung für „das Böse“ und zieht aus dieser Lektion seine Schlüsse. Meine Konsequenz ist, dass ich diese ganz bewusste Entscheidung für „das Böse“ nie wieder getroffen habe. Nie. Wieder. Denn diese Lektion war ganz und gar furchtbar.

Ich verwette meinen Arsch, dass dieser Beamte diese ethische Lehrstunde auch besucht hatte, mit wahrscheinlich einem gewaltigen Unterschied: Der fand's wohl offensichtlich und im Wortsinn geil.