Sam Harris über Gut und Böse, wissenschaftlich betrachtet…


(TED Direktmoral)

Sam Harris spricht auf der TED Konferenz über die Wissenschaft der Moral und darüber, ob es absolute humanistische Antworten auf die Frage nach Gut und Böse gibt.

Questions of good and evil, right and wrong are commonly thought unanswerable by science. But Sam Harris argues that science can -- and should -- be an authority on moral issues, shaping human values and setting out what constitutes a good life. (Recorded at TED2010, February 2010 in Long Beach, CA. Duration: 23:07)

Das hier ist tatsächlich einer der besten TED-Talks, die ich seit langem gesehen habe. Ich bin nicht in allen Punkten einer Meinung mit Harris, aber sein Vortrag ist provozierend, dekonstruiert Religion so nebenbei als moralische Institution (was mir ja grundsätzlich sympatisch ist) und erfordert eigenen Gedanken: Gibt es tatsächlich wissenschaftlich fundierte Antworten auf die Frage, wie unsere Gesellschaften mit Menschen umgehen? Er sagt: Ja. Ich auch, weil menschliches Leid, hervorgerufen durch gesellschaftliche Zwänge, grundsätzlich verwerflich ist.

Solches Zeugs führt leider gefährlich nahe an Gedankengut, wie es von den Nazis von PI verbreitet wird, weil es der scheinbar moralischen Überlegenheit anderer Kulturen gegenüber eine wissenschaftliche Note hinzufügt. Ich denke zum Beispiel nicht, wie Harris, dass die Burka grundsätzlich frauenfeindlich ist. (Ich denke aber auch, dass die Entscheidung, eine Burka zu tragen, grundsätzlich beim Individuum liegen muss und nicht gesellschaftlich aufgezwungen werden darf.)

Wie auch immer, das hier ist ein fantastischer TED-Talk, der einem das moralische Gehirn verknotet und Wertevorstellungen in Frage stellt. Und ganz am Rande: Vor ein paar Tagen hatte ich eine französische Doku in den Links, die Stanley Milgrams Folter-Experiment in einer Reality-Show nachbaute, was ja praktisch genau die gleichen Fragen behandelt. Hatte ich nur deshalb nicht gebloggt (also, außer dem Link jetz), weil die Reality-Show-Umgebung natürlich das Ergebnis verfälscht. Ich würde, als Kandidat solch einer Sendung ebenfalls jeden sofort zu Tode foltern, weil mir absolut klar wäre, dass in solch einer TV-Umgebung niemand wirklich leiden müsste, was die Doku mehr oder weniger meh macht. Aber ich bin ja auch generell so eher ein fieser Typ und vom kirchlich/religiösen Monopol auf moralische Fragen fang' ich erst gar nicht an und überhaupt: Dieser Vortrag streift so dermaßen viele Themen, an denen ich interessiert bin (Intelligenz der Tiere, Neuroscience, Mythologie/Religion, Kultur), dass es schon fast plazt. Wie gesagt: Einer der besten TED-Talks, ever!

Vorher auf Nerdcore:
Wie gute Menschen böse werden…
Wie gute Menschen böse werden (2): Philip Zimbardo on TED.com