Dantes Inferno

Gestern nacht habe ich die Literatur-Versoftung Dantes Inferno durchgespielt, in etwas weniger als 8 Stunden. Überrascht war ich von der relativen Nähe, die das Game zur Vorlage aufweist. Zwar betonten die Entwickler sowie alle anderen auch immer wieder, das Game sei mehr als lose an Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ angelehnt, ganz so lose war das allerdings nicht.

Hatte ich zunächst angenommen, das Game nähme einfach die Prämisse der neun Höllenkreise und werfe den Rest über Bord, tauchen haufenweise Figuren aus dem Buch auf und auch einige Details der Schilderungen wurden übernommen. Die Idee etwa, den innersten Kreis der Hölle als einen Kern aus Eis darzustellen, stammt nicht von den Entwicklern. Die Reihenfolge der Höllenkreise wurde eingehalten inklusive der darin auftauchenden Personen und Dämonen, wobei die natürlich für das Game größer, fieser, gigantischer gemacht wurden und auch die Orte im Buch wurden weitgehend übernommen, etwa die Höllenflüsse Acheron, Styx, Phlegethon oder die Höllenstadt, die man dann in einer ziemlich freien Interpretation als gigantisches Monster plattmacht. Ebenso ist die Lovestory im Game nicht hinzuerfunden, nur trifft Dante seine geliebte, tote Beatrice (übrigens keine fiktive Figur) im Buch erst im Paradies. Kann man machen.

Der Höllenkreis des Zorns sieht übrigens zunächst aus wie Dagobah und kommt auch mit angelehntem Soundtrack, der an die ersten Szenen von Luke Skywalker auf dem Sumpfplanet erinnert, kein Witz, und ich verwette meinen Allerwertesten, dass das kein Zufall ist. In der Vorlage ist ebenfalls von den „Sümpfen des Zorns“ die Rede und die Gelegenheit für eine kleine Referenz wollte man sich hier wohl nicht entgehen lassen.

Darüber hinaus ist die Hölle wirklich schick gestaltet, grade zu Beginn. Da lauern in der weiten Landschaft gigantische Monster im Hintergrund, während man sich durch Massen von Dämonen und Verfluchten hackt. Die Kreaturen sind stellenweise dem Thema angemessen extrem verdreht und die Ideen sick, im Höllenkreis der Lust schießt Kleopatra Killerbabys aus ihren Nippeln, im Höllenkreis der Völlerei latscht man über Berge aus Fett und bekämpft reihernde Fett-Dämonen. Mit anderen Worten: Mir als ausgesprochenen Freund der Hölle (die ja per se erstmal viel interessanter ist, als sein Gegenstück im Himmel) hat die Erkundung selbiger ziemlichen Spaß gemacht, was wohl auch der Grund war, dass ich das Game nicht weggelegt, sondern am Stück durchgespielt habe.

Das Spiel ist zwar ziemlicher Standard-Hack'n'Slay – und jeder sagt, es sei das gleiche Game, wie Gods of War, wobei ich mich in der ziemlich naiv-bequemen Situation befinde, dass ich letzteres nicht kenne –, macht das aber durch das schicke Level- und Creature-Design in den ersten Levels wieder wett. Leider kippt es das schicke Level- und Creature-Design im letzten Drittel in den Lokus und verwandelt sich in einen Standard-Standard-Hack'n'Slayer, bietet keinerlei Überraschungen mehr und die Puzzle- und Plattform-Stellen im Spiel nerven auch mehr, als sie wirklich unterhalten.

Ich habe Dantes Inferno gerne gespielt und werde zumindest die ersten paar Level sicher noch das ein oder andere mal anzocken, insgesamt ist es aber leider nur Standard, auch wenn der im Setting von Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ schonmal grundsätzlich sehr WTF ist. Okay bis gutes Game, muss man aber nicht zwingend haben, wenn man nicht (wie ich) sowieso ein Luzifer-Fanboy ist.

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Hier nochmal zwei Trailer und hier ein Interview mit Dante-Forscher Prof. Dr. Heinz Willi Wittschier auf Gameone. Nach dem Klick noch alle Developer-Diarys aus allen neun Kreisen der Hölle und der hier muss natürlich sein: Hell, yeah!

Trailer 1:

(Youtube Direkttrailer)

Trailer 2:

(Youtube Direkthell)

Limbo:

(Youtube Direktlimbo)

Lust:

(Youtube Direktlust)

Gluttony:

(Youtube DirektGluttony)

Greed:

(Youtube Direktgreed)

Anger:

(Youtube Direktanger)

Heresy:

(Youtube Direktheresy)

Violence:

(Youtube Direktviolence)

Fraud:

(Youtube Direktfraud)

Treachery:

(Youtube Direkttreachery)