Interview-Anfrage zum Blog-Sterben

Gepostet vor 6 Jahren, 7 Monaten in Misc Share: Twitter Facebook Mail

Kann ich ja auch Euch mal fragen: Hatte grade 'ne Interviewanfrage zum Thema Blogsterben und Twitter und so was: „Nun wollte ich fragen, ob du mit mir über das Thema Blog-Sterben sprechen könntest. Was ist dran, was passiert wirklich, wie stehen Blogger zu Twitter, warum funktionieren manche Blogs und andere nicht?“

Eigentlich interessiert mich eher, was ihr dazu meint, hier aber trotzdem meine Gedanken dazu:

Es gibt das sogenannte Blog-Sterben, tatsächlich ist das allerdings nur ein Wechsel der Online-Aktivitäten der Leute (und die Tagebuch-Blogger interessieren zumindest mich im Jahr 2010 überhaupt nicht mehr). Linksammlungen pflegt man nicht mehr auf einer eigenen Website, sondern auf Facebook oder sonstwo, kurze Mitteilungen macht man per Twitter, wozu also ein Blog. Es gibt allerdings auch etablierte Blogs (wie NC), die funktionieren auf ihre individuelle Art (ich hier als Netzfilter mit einer bestimmten Perspektive) und bleiben so bestehen. Tatsächlich löst sich einfach der Long Tail vom Publishing auf fixen Websites (Blogs) und splittet seine Aktivitäten auf mehrere Web-Services auf.

Twitter stellt da nochmal einen besonderen Faktor dar: Es gibt ein „Kern-Internet“, bestehend aus den Datenbanken und den Online-Ausgaben klassischer Medien, die werden von einer Schicht aus Websites/Blogs umgeben, die sich auf sie beziehen, sich gegenseitig verlinken und auch eigenen Content generieren: User Generated Content. Dann kam Twitter und Micro-Blogging und das umgibt nun wiederum das Gesamtgebilde in einer neuen Schicht, das Netz besteht 2010 also aus mehreren Schichten und jede neue Schicht ist „kommunikativer“ als die vorherige, der nächste Schritt ist die (bereits stattfindende) Adaption dieses Modells auf's Handy.

Es gibt also dieses Blogsterben, das ist nur tatsächlich ein Wechsel des Long Tail in eine neue Kommunikations-Schicht im Netz. Etablierte Blogs bleiben bestehen und wachsen (NC hat Anfang 2010 circa doppel soviele Leser als Anfang 2009. Wahnsinn!), genauso wie Liebhaberblogs. Warum manche Blogs funktionieren und manche nicht, weiß ich nicht, ich kann aber versuchen, von mir aus zu schließen, warum NC funktioniert: Ich hatte schon immer einen Hang zu Publishing, hatte als Kind einen Ordner, in den ich komische Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften klebte (vor alles viel Space-Kram), malte mit 12 großformatig Buchstaben der Helvetica, hatte mit 20 ein handkopiertes Fanmag über Techno und habe dann Schriftsetzer bei einer Zeitung gelernt. Man könnte also sagen, ich bin sowieso so ein Medien-Fuzzi und Blogs und Nerdcore sind also eine beinahe zwingend logische Folge meines Lebens und diese sowieso schon vorhandene Medienverbundenheit hilft nicht wenig dabei, das hier zu durchzuziehen, wie ich es eben mache.

Noch ein Grund, warum NC funktioniert: Auch dann bloggen, wenn man keine Lust darauf hat, dabei eine gewisse Tonalität und eine bestimmte Ästhetik beibehalten (und hin und wieder durchbrechen) und all das mit einer gewissen Disziplin durchzuhalten, dabei hilft mir auch GTD (Getting Things Done) mit so ein paar individuellen Einrichtungen wie nach Prioritäten sortierter Feedreader und sowas. Man könnte also durchaus sagen, dass ich das hier ganz gut professionalisiert habe, was den Ablauf angeht.

Auch ein Grund, warum NC für mich funktioniert und der vielen nicht schmeckt: Verzicht auf Persönliches (und genau das auch ab und zu brechen). Früher habe ich öfter persönliche Geschichten gebracht, weil das eben alle machen. Habe ich mir abgewöhnt, denn ich merke auch an meinem eigenen Leseverhalten: Nichts ist langweiliger als die tausendste persönliche Geschichte auf einem Blog, man kann es nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr hören/lesen und nichts ist schlimmer, als der Gedanke: „Was soll ich bloggen?“ Links zu seltsamen Storys, weirden Videos oder obskuren Songs kann ich immer bloggen, dazu brauche ich weder Stimmung noch Lust, das Netz ist voll davon, weil die Welt eben dieser irre Ort ist, der er ist, voller irrer Ideen, die darauf warten, hier auf NC zu landen. Und diesen Wahnsinn gebe ich nur zu gerne weiter und sage liebend gerne: Schau mal hier, wie over the top awesome, geh da hin und guck dir das an. Und diese Liebe zu irren Ideen ist wohl der größte Grund, warum NC für mich funktioniert.

Irgendwie sowas werde ich in dem Interview morgen wohl erzählen, nachzulesen in der Prinz irgendwann.

Ich habe seit bestimmt 2 Jahren nicht mehr über Blogs gebloggt, worauf ich mächtig stolz bin. Also darf ich mal wieder.

Tags: Blogs

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