Avatar

Ich habe gestern James Camerons ersten Film seit den zwölf Jahren nach Titanic gesehen: Avatar. Batzman läuft sich bei den Filmfreunden schon warm, der fand ihn furchtbar und der Film ist auch ziemlich unoriginell, die Tricks sind reines Technikgewichse, die Optik ist die letzte halbe Stunde aus Abyss hoch zwei und die Story strotzt vor simpler Logik, Esoterik- und Ethno-Kitsch und all das ist auf wunderbare Weise völlig egal, weil man im Kino sitzt und den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu bekommt.

Ich hatte ja arge Befürchtungen, als ich die Na'vi zum ersten mal sah. Blaue Katzenmenschen? Und dann noch der Typo-Nerd in mir: Der Font, den sie für den Avatar-Schriftzug benutzten… die Papyrus? Da hätten sie auch gleich die Comic Sans nehmen können. Ich ging also erstmal mit eher negativen Erwartungen ins Kino und Cameron hat mich komplett weggeblasen.

Die Welt von Pandorra ist absolut glaubhaft umgesetzt. Wenn irgendein Viech auf einen Baumstumpf latscht, fliegen einem die Splitter um die Ohren. Im Regenwald von Pandora schwirren ständig irgendwelche Insekten rum und ich musste mehr als einmal dem Impuls widerstehen, mit der Hand die Viecher zu verscheuchen. Alles bioluminesziert eine Farbenorgie, die eigentlich völlig over the top ist, sähe sie nicht so verdammt großartig aus. Die Figuren funktionieren, wirken lebendig und transportieren die Story, Avatar ist tatsächlich der erste CGI-Film, der optisch die Grenze zum Realfilm überschreitet, wobei der 3D-Effekt keine unerhebliche Rolle spielt. Also unbedingt in 3D und im maximalst größten Kino mit dem besten Sound anschauen.

Die Story ist schnell erzählt: Gelähmter Soldat schlüpft in einen Avatar, einem im Gen-Labor erschaffenen Alien, um die Na'vi auszuspionieren, weil die genau dort leben, wo es die Mineralien gibt, die wir Menschen dringend brauchen, was letztlich natürlich zu einem Krieg führt. Parallelen zum aktuellen Weltgeschehen darf jeder selber ziehen. Und ebenso natürlich wechselt der Soldat im Avatar die Seiten, verliebt sich in eine Na'vi und schlägt zurück, all das ist eingebettet in jeder Menge Esoterik-Gaia-Theorie-Kram und furchtbaren Ethno-Naturvolk-Romantik-Kitsch, der oft beinahe unerträglich ist. Aber eben nur beinahe.

Letztlich muss man anerkennen, dass Cameron eine recht unsubtile Friedens-Öko-Botschaft in atemberaubenden Bildern erzählt, die man so tatsächlich noch nie zuvor gesehen hat und die letzten 20 Minuten sind ein reinstes Action-Gewitter der Sonderklasse. Avatar ist, bei allen kritischen Punkten, ein Film, den man gesehen haben muss und das bitte in 3D, ein Film der technisch neue Maßstäbe setzt und alle Effekt-Filme zuvor anachronistisch erscheinen lässt und alleine deshalb ist er ein absolutes Must Watch.

Nach dem Klick noch ein ganzer Haufen Clips und Links.

Hier der Trailer:

(Youtube Direkttrailer)

Thanator Chase-Scene

(Youtube Direktthanator)

James Cameron's Vision Featurette

(Youtube Direktavatar)

Twitch: „Next week a kid who hasn't seen Dances with Wolves is going to sit down wearing a silly pair of spectacles and be blown away.“

io9: „Pandora and the Na'vi may be shy of photorealistic (although there are some incredible moments, especially during the Thanator chase and when Jake engages with his Banshee for the first time), but they do feel alive, the way their facial muscles move, the sometimes distracting way their ears twitch to convey emotion, the play of light in their eyes. At times, it almost looks like we're seeing actors in blue makeup rather than the motion capture mask. Cameron has very nearly crossed the uncanny valley and that's an achievement in itself.“

Techland: „Cameron, unlike the last George Lucas movies, doesn't sit there and spell it all out in some awful exposition; he uses his 3-D, and his main character, to throw audiences into the thick of things. All the while he presents the reality of the human world as a gray, sterile alternative, the ugly place that the our hero must return to when his blue body goes to sleep. My favorite moment of the entire film isn't an action sequence; it's a nighttime swim in a fluorescent lagoon. The shot lasts maybe two seconds. But the reason I'll be seeing Avatar again – and quite possibly again after that – is not to see anything resembling an attack of the clones, but to get lost in the pulse and pageantry of this intergalactic paradise.“

Roger Ebert: „Watching "Avatar," I felt sort of the same as when I saw "Star Wars" in 1977. That was another movie I walked into with uncertain expectations. James Cameron's film has been the subject of relentlessly dubious advance buzz, just as his "Titanic" was. Once again, he has silenced the doubters by simply delivering an extraordinary film. There is still at least one man in Hollywood who knows how to spend $250 million, or was it $300 million, wisely.“