Bibel-Comics von Robert Crumb und Basil Wolverton

Ich habe am Wochenende zwei Bibeln durchgelesen: Die von Robert Crumb illustrierte Ausgabe der Genesis und die Wolverton Bible. Letzteres ist eine Sammlung von Illustrationen für christliche Colleges von Basil Wolverton, der unter anderem auch am frühen MAD Magazine mitgearbeitet hatte. Übrigens: Mein Comicdealer, der Grobe Unfug in Berlin, hat jetzt auch ein Blog und dort erfuhr ich, dass die Crumbs Genesis schon vor offiziellem Veröffentlichungsdatum vorrätig hatten. Ein Anruf und mein Exemplar war zurückgelegt, als ich's abholte, war das Teil ausverkauft. Das nur als kleiner Hinweis für alle Special-Interest-Läden: Besorgt Euch einen Feed für die Perlen, die reinkommen.

Robert Crumbs Genesis ist der Originaltext der Bibel, nur eben illustriert von Robert Crumb, der nun nicht unbedingt als gläubiger Christ bekannt ist, was das ganze Buch natürlich sehr subversiv macht und auf subtile Weise Kritik am Christentum äußert. Denn Crumb zeichnet seinen Gott genau so, wie er jedem Kind und George Carlin auf Anhieb erscheint: Als grimmigen, alten Mann in weißem Gewand und mit Rauschebart. So ein bisschen wie ein verbitterter Alt-Hippie.

Man muss zu Robert Crumbs Genesis leider anfügen, dass sie mehr oder weniger langweilig ist. Als Comic-Sammler natürlich ein Must-Have, als erzählte Geschichte aber nur okay, zu sehr stören die seitenlangen Aufzählungen von Fantasie-Stammbäumen („And Methuselah lived 187 Years and he begot Lamech. And Methuselah lived after he begot Lamech 782 Years, and he begot sons and daughters. And all the days of Methuselah were 969 years. Then he died.“ Und so weiter.) Aber dafür kann Crumb ja nix, steht ja so in der Bibel, auch wenn ein 969 Jahre alter Methusalem ziemlicher Bullshit ist und diesen illustriert er eben und das 1:1.

Andererseits verzichtet Crumb auf jegliche Satire, auf jeglichen Witz, er illustriert „nur“, zeigt den Sex und die Gewalt, die in der Genesis stattfinden und sein Gott ist oft ungerecht, ohne Gnade und voller Zorn. Würde heute jemand mit den ihm überlassenen Schäfchen so umsprängen, würde man ihn als Arschloch bezeichnen. It's like that.

Es bleibt ein ziemlich wunderbares Buch für Comic-Sammler und Crumb-Fans, alleine der handgeletterte Text ist das Geld wert und die fünf Jahre Arbeit merkt man jeder der überaus detailierten Seiten an.

Basil Wolvertons Bibel ist keine erzählte Geschichte, sondern eine Sammlung seiner christlichen Illustrationen, die er für Lehrmaterialien anfertigte. Also nicht wirklich ein Comic, sondern ein thematisch fokussierter Bildband eines legendären Illustratoren, der in den 50s für DC Comics und das MAD Magazine zeichnete. Nicht unwichtig: Wolverton war gläubiger Christ und er machte diesen Job wahrscheinlich nicht nur für's Geld.

Auch Wolverton zeichnete die Gewalt in der Bibel im Detail (blendete aber, im Gegensatz zu Crumb heute, den Sex aus). Seine Zeichnungen der Apokalypse, die er in moderne Zeiten und ins Atom Age verlegte, sind sehr faszinierende Remixe der Offenbarung: Da streifen Mutanten in einem Bild durch eine post-apokalyptische Landschaft und auf einem anderen regnet Flugzeuge vom Himmel, wärend sich die Leichen auftürmen. Sein Sohn vergleicht seine Zeichnungen im Vorwort nicht ohne Grund mit den Gemälden von Hieronymus Bosch.

Die Wolverton Bibel ist für mich aufgrund der Motive und als Grafiker erstmal das spannendere Buch, aber im Grunde geben sich beide Bücher nichts. Ob nun die Genesis illustriert von Robert Crumb oder die Bibel-Zeichnungen von Basil Wolverton: Beides sind mehr oder weniger subversive Auseinandersetzungen mit der Bibel, Crumb interpretiert sehr eng am Text, Wolverton nimmt sich am Ende dann schon ein paar Freiheiten.

Wer sich für Religion, egal ob gläubig oder nicht, interessiert, und gleichzeitig Sammler von Comics oder zumindest interessiert ist, kommt an beiden Büchern tatsächlich überhaupt nicht vorbei.

Mehr Bilder zu beiden Büchern in meinen Flickr-Sets: Wolverton Bible , Robert Crumbs Genesis
Amazon-Partnerlinks: The Wolverton Bible: The Old Testament & Book of Revelation Through the Pen of Basil Wolverton, Robert Crumb's Book of Genesis