spOnline über „Flashmob-Terror“ …und alle so: „Yeaahh!“

Gepostet vor 7 Jahren, 5 Tagen in Misc Politics Share: Twitter Facebook Mail

spOnline schreibt über den Yeaahh-Flashmob und hat da wahrscheinlich einen Praktikanten seine reaktionäre Ader ausleben lassen, oder so ähnlich. Jedenfalls bezeichnet Ole Reißmann den gestrigen, grandiosen Webmeme-Flashmob als „Flashmob-Terror“, bringt völlig unreflektiert die Beispiele Braunschweig (wo nach dem versuchten Flashmob-Verbot zurückgerudert werden musste) und ausgerechnet das britische Exter, wo ein Großaufgebot der Polizei inklusive Hubschrauber einen harmlosen Flashmob verhinderte. Die 15 (!) Jungs und Mädels wollten grillen.

Hätte der Flashmob-Terror von den Sicherheitsbehörden im Vorfeld verhindert werden müssen? In Braunschweig wäre so etwas nicht passiert, dort reagierte das Ordnungsamt mit harschen Schreiben auf einen Flashmob-Aufruf im Internet - und es ging nur um ein Picknick, nicht um das Nerven der Bundeskanzlerin. In Großbritannien stürmte die Polizei in Kampfmontur und mit einem Hubschrauber die Feier von einem Dutzend Freunden, die sich im Internet verabredet hatten.

Weiter fragt der Herr Reißmann nach politischen Botschaften:

Angela Merkel wird lustvoll zugejubelt, das ist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten, auch wenn es konzentrierte Zuhörer gehörig nervt. Und wie steht es mit einer politischen Botschaft?

Ich erkläre das grade mal: Ja, bei Flashmobs geht es oberflächlich um Spaß und nichts weiter. Tatsächlich aber haben Flashmobs immer eine immanente politische Botschaft, es geht um die Rückeroberung des öffentlichen Raums, um gemeinschaftliche Statements. Diese soziokulturelle Dimension des Flashmobs ist dem Herrn ganz offensichtlich verborgen geblieben. Hätte er mal lieber jemanden gefragt, der sich damit auskennt: sein Kollege Mario Sixtus, schrieb auf (Achtung!) spOnline im Jahr 2003 über den Medientheoretiker Howard Rheingold:

Die nächste Revolution nach PC und Internet ist, laut Rheingold, mitnichten technologisch, sondern sozial: "Smart Mobs bestehen aus Menschen, die zusammen handeln können, selbst wenn sie sich nicht kennen." Die Szenen, Clans und Communities, die sich ständig im Internet bilden, dort mutieren, sich spalten oder auch einfach nur wachsen, würden in Zukunft immer häufiger eine Entsprechung in der realen Welt finden.

Dass Menschen für gemeinsame Ziele und Ideen zusammen arbeiten, ist beileibe nichts Neues. Neu hingegen sei, mit welcher Geschwindigkeit und Flexibilität sich Gruppen Gleichgesinnter, mit Hilfe von Netzwerk- und mobiler Technologie, bilden könnten und mit welcher Effizienz sie handelten.

Und genau das ist eine weitere politische Botschaft und politische Dimension des Flashmobs für Herrn Reißmann: Wir fressen die Wahlkampfbotschaften nicht mehr einfach so, sondern wir spucken den Bullshit der Merkel ironisiert in Form eines „Yeaahh“s zurück. Einfach, verkürzt und auf den Punkt entblößen wir den Bullshit als das, was es ist: im besten Fall einfach nur hohle Phrasen, im schlimmsten aber einfach nur Lügen. Und ja, wir organisieren das kurzfristig im Netz. Als ob das irgendein 2009 bemerkenswertes Merkmal wäre. spOnline schreibt was über „Flashmob-Terror“ …und alle so: „Yeaahh!“

Hier eine weitere politische Botschaft für Herrn Reißmann: Expect us.

Tags: Flashmob Journalism

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