Sherlock Holmes vs Zombies in neuem Comic

sherlockzombies

2009 ist wohl eindeutig das Jahr, in dem Zombie Craze wirklich absurder und absurder wird… und ohne, dass das Thema deshalb unspannender würde. Im November kommt jetzt eine sechsteilige Comicserie, in der niemand anderes als Sherlock Holmes gegen die Untoten antritt.

London, the year 1854. Gas lamps throw long shadows across closed storefronts; a horse-drawn carriage prattles down the cobblestone street, paying no mind to the feral children sleeping in the alley. The only sounds audible at this late-night hour are a bit of music rising from the pub on the corner and the low moan of a zombie shuffling over the sidewalk.

Wait – zombies?

Why are the dead rising in London? Who or what is behind their resurrection? It’s up to a certain famous detective and his erstwhile comrade to find out.

Victorian Undead – You want answers? Here they are. (via io9)

Tanja meinte neulich mal, irgendjemand müsse ihr diesen Zombie Craze mal erklären, denn sie verstünde es nicht. Nun… wer, wenn nicht ich…

Ich hatte ja auch schon Phasen, in denen ich der Untoten überdrüssig wurde. Allein: Sie kommen immer wieder zurück. Woher kommt also diese Faszination an Zombies? Was macht sie so verdammt hartnäckig?

1. Lebende Tote sind wahrscheinlich das pureste, das reinste aller Monster. Zombies brauchen keine Mythologie wie die Vampire, keine wahnsinnige Wissenschaft wie Frankenstein (die allerdings beide strenggenommen ebenfalls Sub-Klassen von Zombies sind), keine Mutation wie Godzilla, sondern sie leiten sich ganz einfach aus der Antithese zum lebenden Menschen ab: Der lebende Tote, der in den besten Verfilmungen höchstens einen Ansatz einer Erklärung bietet. Und damit negieren sie das Leben an sich, essen es auf. Zombies sind pure Misanthropie in Monster gegossen.

Der Ekel, der sich natürlicherweise auf die Konfrontation mit den wankenden Gestalten einstellt, ist schlicht der Ekel auf das Gegenteil von Leben: Der Tod. Diesen als „lebendig“ darzustellen widerspricht jeglicher menschlicher Erfahrung, stellt Natürlichkeit in reinster Form auf den Kopf, was natürlich kinematographisch äußerst interessant ist. Und das ergibt eine wunderbare Projektionsfläche für alle möglichen Entwürfe, womit wir bei Punkt 2 landen.

2.) Zombies sind eine Carte blanche für jegliche Form der Gesellschaftskritik im Horrorkino oder -genre. Grade weil sie eine fiktive Parallelgesellschaft abbilden, weil sie die Negation menschlichen Daseins sind, bieten sie eine offene Projektionsfläche für Gesellschaftskritik aller Art. Jeder Zombiefilm, und sei er noch so z-filmig, trashig und schlecht, hat per se eine gesellschaftskritische Aussage, die alleine durch den Plot „lebende Tote vs Lebende“ generiert wird.

Alleine die Tatsache, dass Zombies lebende Menschen essen, hat gesellschaftskritische Aussagen, die durch die Wahl des Settings präzisiert wird. Und so ist „Dawn of the Dead“ im Einkaufszentrum (natürlich) ein Kommentar zur Konsumgesellschaft, „Night of the Living Dead“ einer auf den Rassismus der USA in den 50s und 60s und „Diary of the Dead“ einer zur Mediengesellschaft. Und selbst beim trashigsten Zombie-Film bleibt der Gegensatz von Leben und lebendigem Tod, der einen Subtext generiert.

Das mag alles sehr nach Über-Interpretation klingen, aber der Subtext von menschenfressenden Toten bleibt, ganz egal, wie spaßig die filmische Vorlage gemeint ist. Society eats itself. Das ist in den seltensten Fällen schön, hat uns aber nach den viktorianischen, von den damaligen Wissenschaften geprägten Monstren (Vampir, Frankenstein, Jekyll/Hyde) den Monster-Prototypen für das neue Jahrtausend gebracht: Den lebendten Toten. Und der wird uns garantiert noch eine Weile begleiten.