Ein Abschiedsgruß an meinen Duschvorhang

04.08.2009 Misc #Storys

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Ich war ja bislang zu faul, meinen neuen Duschvorhang aufzuhängen. Was mich allerdings nicht davon abhält, meinem alten Duschvorhang schonmal ein paar Worte des Abschieds mit auf dem Weg zu geben: Komm' mir bloß nicht zu nahe, doh!

Als Mensch, der jahrelang mit Duschschiebetüren statt Duschvorhängen gelebt hat, geht mir folgende Eigenschaft selbiger ziemlich auf die Nerven: Sie drängeln sich an einen, schmiegen sich kuschelgleich beim Duschen an den Körper. Ich mag das nicht und ich suche mir gerne selber aus, mit wem ich beim Duschen kuschle. Und das sind dann meistens keine Duschvorhänge.

Aber mein Duschvorhang hört ja nicht auf mich und so stehe ich jeden Morgen in der Dusche – und dusche(!) – und der Duschvorhang beginnt ab Minute Zwei des Reinigungsprozesses sich nach innen zu stülpen und wenn man, wie ich, keine Dusche von drölf Quadratmetern zur Verfügung hat, dann klebt er auf einmal an der Seite und den Beinen und drängelt und will kuscheln. Und das Gefühl einer Plastikplane am Körper ist jetzt auch nicht das angenehmste. „Scheiß Duschvorhang, geh weg“ fährts mir dann immer durch den Kopf und befördere ihn mit einer Salve Wasserstrahl aus dem Duschkopf dahin, wo er hingehört.

In meinem amateurphysikalischen Kopf habe ich mir das ganze freilich schon lange wissenschaftlich erklärt. Ich dusche nämlich gerne warm, bin also ein bekennender Warmduscher (was ich 2007 schon einmal bloggte). Und natürlich beheizt das heisse Wasser auch die Luft und warme Luft steigt bekanntlich nach oben, weil die Sauerstoffmoleküle durch das Wasser beheizt heftiger durch die Gegend schwingen (Shwing!), sich daraufhin im Raum ausdehnen und so die Dichte abnimmt, ergo die Luft leichter wird. Und wenn die aufgeheizte Luft nun aufsteigt, muss sie ja irgendwo hin, also macht sie sich über dem Duschvorhang vom Acker und kommt auf der anderen Seite erstmal runter. Dadurch wiederum entsteht in der Dusche (in meinem Fall ein Wannenbad) ein Unterdruck, der den Duschvorhang natürlich nach innen presst.

Die Kuschelneigung des Duschvorhangs hat also rein physikalische Ursachen und ist (gottseidank!) nicht irgendwelchen Körperchemien geschuldet.

Dennoch möchte ich meinem Duschvorhang gegenüber betonen, dass ich in keinster Weise auf Duschvorhänge stehe und dass diese Annäherungsversuche nur zu Missmut meinerseits führen, weshalb ich mir ja, wie Eingangs bereits geschildert, einen neuen besorgt habe. Ob der genauso anzüglich ist, wie der alte, wird sich zeigen. Aber immerhin hat der Blut an den Fingern. (Und ja, die Badematte habe ich auch, ha!)