The Nobody: Großartiges Comic-Mashup von „Twin Peaks“ und Wells „The Invisible Man“

Ich habe gestern abend Jeff Lemires „The Nobody“ fertiggelesen und das ist ein verdammt großartiges Comic. Lemire nimmt die Hauptfigur aus H. G. Wells „The Invisible Man“ und platziert sie in einem Twin Peaks ähnlichen Setting. Griffin (Der Unsichtbare) kommt in ein Kaff, um in der dortigen Abgeschiedenheit ein Gegenmittel für sein Unsichtbarkeitsserum zu entwickeln. Und als dann sein alter Kumpel Dr. Kemp (die Nebenrolle im Unsichtbaren, der Doc, zu dem sich Griffin zu Beginn von Buch und Film flüchtet, um seine Geschichte in der Retrospektive zu erzählen) auftaucht, geht natürlich alles schief und die Situation eskaliert.

Lemires Comic ist ziemlich grob gezeichnet, was perfekt zum lakonischen Ton der Dialoge passt und der sich auch in der Farbgebung wiederspiegelt, die ist nämlich mit zweifarbigem Druck nicht besonders bunt.

Das Comic begeht auch nie den Fehler, Twin Peaks zu kopieren (bis auf das letzte Panel, das quasi ein Remix eines sehr bekannten Frames aus Twin Peaks ist) oder zu versuchen, Lynchsche Szenen einzubauen (na gut, die eine Szene, in der sich die Bandagen des Unsichtbaren unter Wasser auflösen und – Nichts zurücklassen, ist schon ein bisschen Lynch), sondern belässt es einfach bei der trockenen, minimalen, lakonischen Tonalität seines Vorbilds. Und darin die Story des Unsichtbaren einzubetten ist eine abartig brillante Idee, denn was kann trockener, minimaler und lakonischer sein, als ein Unsichtbarer?

Da entfaltet sich eine Geschichte um unendliche Einsamkeit, von ins Nichts reduzierten Menschen inmitten einer Einöde, deren Bewohner ebenso unsichtbar und auf ihr Kaff reduziert leben. Und inmitten dieser Lakonie: Schönheit – wenn nämlich Griffin über Schmetterlinge und ihren Lebenszyklus schwadroniert und genau dann einer auf seiner Schulter landet. Ein einsames, ödes, brillantes Comic, mit genauer Charakterzeichnung und Bildern, die exakt zur Tonalität der Story passen. Für Fans von Wells, seinem Unsichtbaren oder Lynch ein absolutes Muss.

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Underwire hat mit Lemire auf der ComicCon gesprochen, Snip:

A retelling of H.G. Wells’ classic The Invisible Man transposed through the filter of David Lynch’s Twin Peaks to a tiny town resembling the rural farm where Lemire grew up in Canada, it probably has enough dialogue to fit into five pages, 10 tops.

But like Lynch’s Peaks before it, The Nobody’s impressive science lies not in the mad experiments of the Invisible Man, or the Nobody, but in its subtle dissection of psychology and interpersonal relationships.

“I’m a fan of all of Wells’ work, and the idea of this bandaged stranger showing up in a small town was just such a perfect set-up for me to explore themes of identity, rural life, community and paranoia,” Lemire said. “It’s a romanticized view of where I grew up, but colder, starker. All the characters know each other, and their lives are neatly intertwined.”

Introspective The Nobody Takes Invisible Man to Twin Peaks