Galore: Archiv aus 800 Interviews online

Gepostet vor 7 Jahren, 2 Monaten in Misc Share: Twitter Facebook Mail

Das Interview-Mag Galore war eins der wenigen Magazine, die ich mir ab und an gekauft habe, wenn die Gesprächspartner interessant genug waren. Die Print-Ausgabe wurde im Juni eingestampft und heute ging die Website online, die (fast) das komplette Archiv umfasst. Noch ist es nicht vollständig, wie ich grade anhand von Scarlett Johannsson und Ray Harryhausen feststellen musste, aber sehr viele der teilweise hochinteressanten Interviews sind bereits online: Hier der Link zum Archiv (via Stylespion), hier ein paar Snips meiner Favorites:

John Cleese: „Der Prozess des Filmemachens ist verdammt langweilig.“

Mr. Cleese, wir erzählen unseren Lesern immer, wo genau das Interview stattgefunden hat. Könnten Sie mir kurz beschreiben, wo Sie sich gerade befinden?

John Cleese: Ich befinde mich in meinem kleinen Strandhaus in Santa Barbara, etwa anderthalb Stunden nördlich von Los Angeles. Ich sitze an einem kleinen Tisch, ins Sonnenlicht getaucht und blicke auf den Pazifik, der etwa 40 Meter von mir entfernt glitzert. Und Sie?

Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich den Regen von München.

Auch schön.

Kurt Cobain: „Ich habe ständig das Gefühl, dass mir niemand glaubt. Dauernd verteidige ich mich.“

Haben sich die Leute auf der Highschool distanziert verhalten? Und haben Sie sich irgendwie zurückgezogen?

Ich war der Sündenbock, allerdings nicht in dem Sinne, dass die anderen ständig auf mir herumgehackt hätten. Niemand hat auf mir herumgehackt oder mich verprügelt, weil ich mich damals schon ziemlich abgekapselt hatte. Ich war so menschenscheu, dass es fast schon krankhaft war. Ich fühlte mich so anders und so verrückt, dass die Leute mich einfach von sich aus in Ruhe ließen. Ich hatte das Gefühl, dass ich in der Kategorie „Wahrscheinlichster Kandidat, beim Highschool-Ball alle abzuschlachten“ die meisten Stimmen bekommen würde.

Könnten Sie verstehen, warum jemand so etwas tut? Oder wie man an diesen Punkt gelangen könnte?

Ja, ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass sich der seelische Zustand eines Menschen zunehmend verschlechtert, bis er dazu in der Lage ist. Doch. Ich hatte selbst einen Punkt erreicht, an dem ich darüber fantasierte, hätte mich aber im Zweifelsfall immer eher dafür entschieden, mich selbst umzubringen. Ich liebe solche Filme. Filme über Rache beim Highschool-Tanz und dergleichen haben mir schon immer gefallen. „Carrie“ zum Beispiel.


Mark Oliver Everett: „Ich glaube, ich habe das Schlimmste hinter mir.“

Nun kennen Sie die drei wichtigsten Kulturbranchen. Wo liegt der Unterschied?

Filmleute und Literaten haben es nicht so mit Spitznamen. Im Musikbusiness nennen mich seit vielen Jahre alle Leute E. Bei Verlagen oder Film-Companies macht das keiner. Aber, wissen Sie, im Grunde habe ich noch eine ganz andere, viel spannendere Branche kennen gelernt.

Nämlich?

Wissenschaftler.

Neil Gaiman: „Geschichten können länger bestehen als Steine.“

Ihre Geschichten drehen sich sehr häufig um archaische Mythen und Götter. Was gefällt Ihnen an diesem Sujet?

Mir gefällt zum Beispiel, dass die nordischen Götter so unfreundlich sind. Heute neigen die Menschen dazu, sich Götter und religiöse Figuren als ihre persönlichen Freunde vorzustellen, die auf sie aufpassen. Nach amerikanischer Idee ist Jesus so eine Art Kumpel. Die Amerikaner sind beseelt von der Idee, dass Gott sich für ihr Footballteam interessiert. Viele Empfänger von Awards oder Sportler, die einen Wettkampf gewonnen haben, danken in Ihrer Rede an erster Stelle Gott. So ein Unsinn! Als wenn Gott ihnen mehr als anderen geholfen hätte, weil er dachte, sie seien besser! Das hat fast schon etwas Blasphemisches, denn Gott liebt doch, wie es heißt, alle gleich. Bei den nordischen Göttern würde man auf diese Idee gar nicht erst kommen.

Mit denen hat man vor allem Ärger.

Ja, und um dem aus dem Weg zu gehen, ist klar, dass man sie respektieren muss. Denen geht es nicht darum, Gutes zu tun. Gut, Thor ist sicherlich sehr gutherzig, aber irgendwie auch blöde. Aber Odin, der Boss dieser Götter, ist ein einäugiger Scheißkerl.

Noel Gallagher: „Rock’n’Roll ist keine Frage der Sichtweise.“

Wie wichtig ist Humor, wenn man Spaß am Leben haben möchte?

Eigentlich ist er die Grundlage dafür, glauben Sie nicht? (überlegt) Wobei man auch lustig sein kann, wenn man keinen Humor hat. Mein Bruder Liam ist so ein Typ: Keinen Sinn für Humor, aber urkomisch. Wenn Sie jetzt einen Killerwitz erzählen würden und sich der ganze Raum weglacht, dann würde Liam dasitzen, mit den Achseln zucken und denken: Was ist los, was soll das Gelächter? Andererseits tut er manchmal Dinge, die unglaublich witzig sind.

Dave Grohl: „Musik ist eine ernste Angelegenheit.“

Gutes Stichwort: Viele Kritiker unterstellen Ihnen eine gelungene Balance zwischen leichter Unterhaltung und durchaus tiefgründiger Kunst.

Ganz ehrlich: Für mich ist Musik eine ernste Angelegenheit.

Aber auf der Bühne geben Sie gerne mal den Komiker.

Live-Musik sollte ein Grund zum Feiern sein, finden Sie nicht? Ich möchte auf der Bühne Party machen. Ein paar Bier, gute Songs: Das ist mein Stil. Aber wenn ich Texte schreibe und komponiere, achte ich sehr darauf, dass das Ergebnis im Einklang mit meinen Gefühlen und meiner Person ist. Konzerte zu spielen oder Videos zu drehen ist einfach, aber wenn ich Songs wie „Everlong“ oder „Home“ singe, die tief aus meinem Herzen kommen, dann möchte ich sie dem Zuhörer näher bringen, sie mit ihm teilen. Ich möchte, dass die Leute genauso empfinden wie ich, als ich sie geschrieben habe. Rock’n’Roll ist Unterhaltung und soll Spaß machen, aber es darf auch ernste Momente geben. Wenn man mit Herzblut Musiker ist und Songs schreibt, bleibt es nicht aus, dass man dunkle Seiten von sich zeigt.

Matt Groening: „Wir leben eben in einer verrückten Zeit.“

Sie haben einmal den Erfolg Ihrer Serie „Die Simpsons“ daran festgemacht, dass Sie nie vergessen haben wie es war, ein Kind zu sein.

Die Simpsons sind ein Gemeinschaftswerk, und jeder, der an der Serie arbeitet, bringt ein wenig von seiner Jugend, seinen Neurosen und seinem Familienleben ein. Meine Kinder zitieren heute Zeilen aus der Serie, das ist wie eine Endlosschleife. Sie benutzen die Simpsons gegen mich. Angefangen hat es auf einer Autofahrt mit „Sind wir endlich da? Sind wir endlich da?“. Ich behaupte nicht, dass wir den Satz erfunden haben, aber die Simpsons haben ihn auf jeden Fall einer ganzen Generation von Kids ins Hirn gebrannt.

David Lynch: „Ich halte nichts von der Psychoanalyse.“

Macht Sie die Arbeit so glücklich?

Nein, immer wieder sterbe ich fast vor Zweifel und Frustration. Wenn etwas nicht funktioniert, dann stürzt mich das in Depressionen.

Das heißt, Sie sind Workaholic, ohne es zu genießen.

So würde ich das nicht beschreiben. Ich bin darauf fixiert, Ideen einzufangen. Und wenn mir das gelingt, dann bin ich erfüllt von Begeisterung und Inspiration. Das ist ein magischer Moment: Man hat etwas Brandneues gefunden, das man weiter gestalten kann. Und die Umsetzung ist ebenfalls ein Akt voller Magie.

Tags: Celebrities Interviews Magazines

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