Thomas Strobl von der CDU will Netzsperren auf „Killerspiele“ ausweiten (feat. CoD4-Zombie-Map und der Brief eines Beinahe-Amokläufers)

In jedem Fall sollte aber meines Erachtens in der Debatte, welche Maßnahmen zur Gewaltprävention ergriffen werden, die von den Bundesministern von der Leyen und Schäuble vorgeschlagene Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet mit Blick auf Killerspiele neu diskutiert werden.

Das sagt Thomas Strobl von der CDU auf Abgeordnetenwatch.de. (via Netzpolitik) Herr Strobl, Mitglied einer Vereinigung, die das Wort „demokratisch“ um Namen führt, will also nochmal über Zensur bezüglich Killerspielen im Internet reden. Als ob Art. 5 GG in irgendeiner Form zur Debatte stünde. Und mir drängen sich da ein paar Fragen auf:

Killerspiele finden normalerweise auf PCs oder Konsolen statt, nicht im Internet (mal abgesehen von ein paar Flashgames). Meint er dann damit Sperren für Seiten, die solche Spiele bewerben oder verkaufen? Landet Kotaku oder Joystiq oder ander Gamer-Seiten auf einer Sperrliste, weil sie sicher über das ein oder andere Game schreiben, das hierzulande auf dem Index steht? Was ist mit Filmen? Landen die Filmfreunde, auf denen ich Trailer zu Filmen wie „Machine Girl“ zeige und zwar in der internationalen Fassung, die nicht für deutsche Befindlichkeiten umgeschnitten wurden, auch auf einer Sperrliste? Auf Nerdcore schmeiße ich auch gerne mal mit Körperteilen um mich – landet NC dann auf einer Sperrliste?

Tja, da müssen wir wohl nochmal drüber Reden, Herr Strobl von der CDU, denn wie man es dreht und wendet: Es geht um Zensur und nichts anderes. Ich habe hier noch zwei Dinge für Sie, die Sie brennend interessieren würden. Hier zunächst der Trailer zur Zombie-Map für Call of Duty 4, Ihrer Definition nach garantiert ein Killer von einem Game und sicherlich Hell of a Fun:


(Youtube Direktzombies, via Fanboy)

Und hier noch ein Brief eines Beinahe-Amokläufers (Danke Maniacator!), den ich zwar nicht an allen Stellen unterschreiben kann, weil er sehr oft eine „Ich bin besser als Ihr“-Haltung durchscheinen lässt (die allerdings auch symptomatisch ist), der allerdings die tatsächlichen Ursachen für Amokläufe aus erster Hand schildert. Und der eine Lösung bereithält: Durchhalten, wegziehen.

Lehrer beobachteten diese Szenarien zwar, schauten aber wohlwollend weg. Sind ja nur Kinder. Die meinen das nicht ernst. Ist ja nur Spaß. Dass dabei aber jemand innerlich zugrunde geht, interessierte niemanden. Eine Lehrkraft meinte einmal zu einem der obersten Rädelsführer, er solle doch seine überschüssige Kraft an einem Baum abreagieren, andere zu ärgern wäre unfair. Und das war es dann auch schon.

Ein Highlight war, als ein hinter mir sitzender ‚Klassenkamerad’ versuchte, mich im Unterricht anzuzünden - indem er mir ein brennendes Feuerzeug in den Nacken hielt. Den Lehrer interessierte dies herzlich wenig. Ich hatte danach eine offene, nässende Wunde im Nacken, die ich versuchte vor meinen Eltern zu verstecken. Sie fanden es trotzdem heraus und fragten geschockt was passiert wäre. Ich versuchte die Sache herunterzuspielen um das folgende Szenario zu vermeiden. Mir war klar, dass eine Einmischung meiner Eltern alles nur noch schlimmer machen würde. Am nächsten Tag fingen sie den Verursacher meiner Brandwunde ab (mein Elternhaus lag auf dem allgemeinen und einzigen Schulweg) und stellten ihn zur Rede. Sie ermahnten ihn, mich zukünftig in Ruhe zu lassen.

Das war der Beginn eines noch schlimmeren Alptraumes.

Darüber sollten wir nochmal reden, Herr Strobl.