Computerspiel-Wettbewerb in Karlsruhe abgesagt und die dreckigen Methoden der Politik

26.05.2009 Misc Politics #Rant

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Der Veranstalter des am 5. Juni in Karlsruhe geplanten Intel Fridy Night der "Bundesliga für Computerspiele" hat die Veranstaltung abgesagt. Ein kleiner Tropfen, der bei mir das Faß zum überlaufen bringt.

"Wir haben den Eindruck, im Karlsruher Kommunalwahlkampf instrumentalisiert zu werden", teilen die Veranstalter mit. Jeder konstruktiven Diskussion über den Umgang mit Computerspielen und neuen Medien werde die Grundlage entzogen, wenn von demokratischen Parteien öffentlich die Kündigung rechtsgültiger Verträge angeregt wird. Die CDU wollte auf der Gemeinderatssitzung erreichen, dass die Karlruher Messe- und Kongress-GmbH ihren Mietvertrag mit Turtle Entertainment für die Schwarzwaldhalle kündigt. (heise)

Die Zeit schrieb neulich schon einen Artikel mit der Headline „Wie man eine Generation verliert“, ich gehe da aber jetzt noch einen Schritt weiter: Die Politik wendet sich mit allen in den vergangenen Wochen gesagten, geplanten und beschlossenen Aktionen gegen einen sehr großen Teil seiner Bevölkerung. Diese Politik ist feindselig und richtet sich gegen Menschen, die Ahnung von dem haben, was sie in diesem Internetz tun – und sucht sich dafür gezielt Unterstützung von Menschen, die keine Ahnung von dem haben, was andere in diesem Internetz tun.

Deshalb muss man ja auch Unterschriften vor Fußballstadien gegen Netzsperren sammeln. Diese Location suchen die ja nicht zufällig aus, die nehmen an, dass Fußball und diese seltsamen Internet-Menschen maximal weit auseinanderliegen. Felix und Batz haben die Stimmensammler befragt und diese könnten ahnungsloser nicht sein.

All diese Aktionen zu den Netzsperren, der Aktionismus gegen diesen harmlosen Zocker-Wettbewerb entblößen die dreckigen Methoden der Politik, die sie jetzt nicht nur in Einzelfällen gegen Einwohner oder gegenseitig (das wäre mir ja eher wurscht) anwenden, sondern hier und jetzt im Jahr 2009 gegen ganze Bevölkerungsteile. Gegen uns. Das wird sich rächen.

Den klassischen Parteien laufen die Leute davon, Felix schreibt von Politik-Ekel als Nachfolger von Politik-Verdrossenheit, die schwedische Piratenpartei ist die drittgrößte Partei des Landes – es gärt und brodelt und das wird es noch eine ganze Weile. Das gute daran: Die Menschen interessieren sich wieder für Politik, Ekel ruft immer eine Gegenreaktion hervor und wenn sogar ausgerechnet ich in eine Partei eintrete....

Langfristig haben sich die etablierten Parteien mit diesem Aktionismus und Wahlkampfgetöse ihr eigenes Grab geschaufelt, darin liegen sie nun neben den Dinosauriern der Entertainment-Industrie und winseln und strampeln und das werden sie unter Umständen noch ein paar Jahre lang tun.

Und dann wird sie der Transparenz- und Sharing-Effekt des Internets endlich erledigt haben. Fingers crossed.