The Walking Dead Compendium Reloaded plus #61

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Seit ich das 1088-seitige Walking Dead Compendium im Comicladen gesehen hatte (hier), wurde ich dieses seltsame Kribbeln im Brainz-Bereich einfach nicht mehr los und da ich ohnehin die ersten 6 Bände nur als deutsche Ausgaben besitze und die nicht hier in Berlin habe, fuhr ich heute in den Laden und habe es gekauft. Über tausend Seiten bester Zombie-Action, die ich jetzt ganz einfach nochmal lesen werde, hell yeah!

Dann noch die Überraschung: Nachdem ich Anfang der Woche bereits die Nummern 59 und 60 abholen durfte, war heute auch schon Nummer 61 in meinem Fach. Autor Robert Kirkman hat also anscheinen wieder mehr Zeit oder mehr Lust auf seine Comic-Serie, nachdem es eine ganze Weile sehr ruhig war. Und, Jeez, die Comics werden immer abgefuckter. Denn im Moment sind es nicht so sehr die Zombies, die für, hmm, Unruhe sorgen, sondern die Überlebenden, die immer psychopatischer werden.

Und schließlich, weil wir es heute erst von The Walking Dead im Büro hatten und Johnny den Zombie-Kram nicht wirklich versteht (den ich aber angefixt habe und ihm demnächst die ersten Bände ausleihen werde), hier warum diese Serie so großartig ist, wie sie ist: Weil sie sich nicht auf ihren Zombie-Plot verlässt. Tatsächlich gibt es tausende Zombie-Comics und ich besitze einige davon, The Walking Dead macht sie aber alle platt. Sondern weil sie sich Zeit lässt. Die Story ist beinahe eine Charakter-Studie, die Figuren werden sehr genau gezeichnet (und ich meine nicht die wortwörtlichen Zeichnungen, sondern die Handlung).

Das Erzähltempo ist beinahe gemächlich, stellenweise nimmt eine einzige Emotion, eine Geste eine ganze Seite ein. Man fühlt mit den Charakteren, man ist ganz bei ihnen und wenn dann, alle 50 Seiten oder so, der wahre Horror über sie hereinbricht, stockt einem beinahe der Atem. Ich habe Nummer 61 nach dem Kauf sofort in der U-Bahn gelesen, weil ich musste.

Die Serie ist auch deshalb so gut, weil sich Kirkman vom 08/15-Zombieplot befreite, ganz einfach, weil er nicht die begrenzte Laufzeit eines Films zur Verfügung hat. So presste er den Plot (also das: Wie würde eine Gruppe Leute in der Realität mit einem Zombie-Outbreak umgehen) nicht in die Formel „Einbunkern, Gruppe flippt aus, Zombies überrennen alles, alle sterben oder stranden woanders, wo erneut Zombies lauern“. Seine Story mäandert zwischen klassischen Zombie-Settings und absolut mindblowing WTF-Momenten. Dazu die schon geschilderte feine Charakterzeichnung und die Ruhe, die ausgerechnet diese Geschichten ausstrahlen: Das perfekte Zombie-Comic.

Deshalb, nochmal: Gehet hin und kauft dieses Comic. Es ist jeden Cent wert, versprochen! Der einzige Kritikpunkt an der Walking Dead Compendium ist übrigens, dass das Ding geschätzte vier Kilo schwer ist. Da weiß man, was man hat.

Amazon-Partnerlink: The Walking Dead Compendium, Volume 1
(Das Cover bei Amazon stimmt nicht, Bild via BoingBoing)