Waltz with Bashir – A Lebanon War Story als Graphic Novel

Ich habe am Wochenende das Comic zu einem meiner Lieblingsfilme von 2008 zu Ende gelesen: Waltz with Bashir. Comic wie Film folgen den Erlebnissen von Regisseur Ari Folman, der 1982 als israelischer Soldat im Libanon stationiert war. Aus einem Gespräch mit einem Freund, in dem dieser ihm seine Träume von 26 reissenden Hunden, die ihn jagen, schildert, resultieren bei Folman Backflashs an die damaligen Ereignisse, die er bis dahin verdrängt hatte und er macht sich auf die Suche nach ehemaligen Kriegsteilnehmern. Stück für Stück puzzelt er sich seine Erinnerung zurück und die münden in den Erinnerungen an das Massaker von Sabra und Schatila, in dem tausende Zivilisten ermordet wurden.

Das ist schonmal sehr starker Tobak, der allerdings filmisch extrem gut umgesetzt wurde. Ari Folman lieferte nämlich mit „Waltz with Bashir“ praktisch die erste Zeichentrick-Dokumentation, für die Real-Aufnahmen als Vorlage dienten. Der Film wird immer wieder unterbrochen von Traum-Sequenzen und all das ergibt das, was Folman in einem Interview als „Krieg auf einem schlechten LSD-Trip“ bezeichnet (Vorher auf Nerdcore: Interview mit Ari Folman, Regisseur von „Waltz with Bashir“). Ein absolut fantastischer Film, den ich jedem, wirklich jedem ans Herz legen will und der wirklich nur ein einziges Manko hat, das man jedoch vernachlässigen kann: Die Animationen wirken manchmal zu langsam, zu gedämpft. Das ist zwar Absicht und gewollt, wirkte auf mich aber doch zu oft als fremdartig und dieses Stilmittel brachte die Story nicht voran. Aber wir reden hier ja vom Comic zum Film und darin ist genau dieser einzige Kritikpunkt obsolet.

„Waltz with Bashir“ ist als Comic absolut fantastisch. Die zu langsame Animation ist weg, was bleibt ist die grandiose Story verpackt in träumerischen Bildern, „Krieg auf einem schlechten LSD-Trip“ eben. Und ja, ich bin sehr begeistert. Haute mich der Film schon so ziemlich weg, tut es diese Comic-Version nochmal mehr. Es ermöglicht einen eigenen Erzählrythmus, den ein Film per se nicht bieten kann, denn man kann vor Bildern verharren und sie in sich aufsaugen, wo der Film schon weiter wäre.

Und dann kommen am Ende, wie in der cineastischen Vorlage, die realen Bilder vom Massaker. Spätestens hier mutiert man zu John Lennon. Give Peace a fucking Chance! Absolute Kaufempfehlung, sowohl Comic als auch der Film.

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Review auf spOnline: Graphic Novel „Waltz with Bashir“ – Giftgrünes Gruselkabinett