Republica 2009: Welcome your new Baby-Overprincess, Kulturflatrate, Larry Lessig und mein Offline-Tweet-Pokal voller Wodka

03.04.2009 Misc #Republica

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Das ist meine gar nicht so olle Freundin Leia Paradise. Acht oder neun Monate ist sie alt und dürfte das erste re:publica-themed Baby der Welt sein. Sie hat mir heute tatsächlich Fünfe gegeben und um Gerüchten vorzubeugen: Nein, sie ist nicht meins. Trotzdem süß, auch wenn sie mir heute mit einem lauten „Brrrrrrbbbblllll“ ins Gesicht spuckte. Zum Ausgleich aß ich mit der wunderbaren Mami Julie Paradise mein erstes Eis dieses Jahres. Mango, Waldfrucht und Zitronen-Eis, was für ein toller Start in den Tag, nachdem ich zu faul war und erstmal alle Vorträge bis 17 Uhr sausen ließ, weil ich mich gestern dann doch einen Hauch zu sehr betrunken hatte und deshalb bis 15 Uhr halbnackt im Bett rumflätzte.

Danach hielt Larry Lessig seinen „Remix“-Vortrag. Rhetorisch absolut brillant erzählte er in einer in fünf Teilen gegliederten Geschichte die Historie über Copyright und Remix. Für Lessig-Kenner war all das vielleicht nichts völlig neues, aber einen Gedanken von ihm war mir bisher unbekannt und den werde ich in zukünftigen Diskussionen gerne aufgreifen: Das Prinzip der „Web-Meme“ als „Konversation“.

Lessig beschrieb hier in ein paar Sätzen das das Prinzip des Remixes in Youtube-Zeiten als neue Form der Schriftsprache. Youtube-Remixe als Ausdrucksform, Internet-Meme als neue Form der Kommunikation ohne Worte. Ein brillanter Gedanke finde ich. Im obigen Bild zeigt er übrigens auf die Entwicklung der P2P-Nutzerzahlen, die sich nach den Klage-Offensiven der RIAA laut seinen Ausführungen nicht verändert haben. So much for Lessig, in meinen Augen das Highlight der re:publica so far.

Nach Lessig schaute ich mir das Panel zum Thema „Kulturflatrate“ an. Sehr interessant, leider zu forsch moderiert, leider ohne Mikrophone und ohne Arroganz: Ich hätte da gerne mitdiskutiert. Weil die Argumente der Kulturflatrate-Gegner Marcel und Johnny zu schwach waren, meines Erachtens und weil die Argumente der Befürworter einer Kulturflatrate (Markus von Netzpolitik und jemand, den ich leider nicht kenne) leider zu pragmatisch und zu unphilosophisch waren.

Letztendlich ist eine Lizenzvergabe der Musik-Industrie auf P2P-Basis ganz einfach unabwendbar. Diese Unabwendbarkeit war auf dem Panel viel zu wenig Thema, finde ich. Und beim nächsten Kulturflatrate-Panel wäre ich gerne dabei. Damit jemand den Zweiflern mal ein schmackiges „Bullshit!“ entgegen schleudert.

Wie auch immer, danach gewann ich den ersten Pokal meines Lebens. Ich stamme zwar aus einer eher bäuerlichen Gegend, aber da ich schon immer eher unsportlich war, war mir ein Pokal bis heute vergönnt. Here's the story:

Auf der re:publica 2008 beobachtete jemand, wie ich mir nach dem Pissen meine Hände nicht wusch und: Er oder sie twitterte das, ohne meinen Namen anzugeben. Something like „Ich könnte ja verraten, welcher A-Blogger sich die Hände nach dem Urinieren nicht wäscht“. Einen Tag vorher twitterte jemand, dass er „Nerdcoreblog“ dabei beobachtet hätte, wie er sich nach der Notdurft nicht die Hände wusch. Ich war also sowas von FAIL, EXPOSED, CAUGHT IN THE ACT und was weiß ich was. Diese beiden Tweets waren also eins von vielen lustigen Themen der Twitterlesung heute abend.

Nun gab es heute einen Wettbewerb der besten Offline-Tweets, er wurden Karten verteilt, auf denen man mit einem Stift Tweets abgeben konnte. Ich schrub selbstverständlich: „Nerdcoreblog: Ich habe mir vorhin die Hände gewaschen. Echt jetz!“ Oder so ähnlich.

Der Saal johlte und ich gewann den Offline-Twitter-Preis. Auf dem Pokal, tatsächlich der erste Pokal, den ich jemals gewonnen habe, steht: „Kreistweetmeister der Stiftklasse, Twitterlesung 2.04.2009“ und ich kann sogar erklären, warum mein Offline-Tweet gewonnen hat (nach Publikums-Abstimmung per Applaus) und nicht der eigentlich bessere Tweet von Dingsbums. Mein „Händewasch“-Tweet war direkte Konversation mit dem Event und genau darum geht es bei Twitter: Konversation.

Und allen, die Twitter nicht verstehen, sei die immer öfter abgehaltene Twitter-Lesung empfohlen. Extrem unterhaltsam, auch ohne nichthändewäschende A-Blogger, und vor allem: ganz nah dran an dem, was online geschieht: Konversation, Gespräche, Talk. So irgendwie, wie ich das schon auf Spreeblick formulierte:

Die Blogosphäre überzieht die Profi-Medien mit einer Schicht aus Kommentaren, vernetzte Leserbriefe quasi. Und Twitter bildet mittlerweile den Lack über dieser Schicht.

Und die Live-Lesung von Tweets kratzt wiederum an diesem Lack und holt all das ins echte Leben. Sehr spannend und ich habe einen Pokal voller Wodka gewonnen, mit dem ich erstmal die Bühne versaute. Schön.