Lieberbergs Unsinn in der SZ und nochmal ein bisschen Copyright

Gepostet vor 8 Jahren, 1 Monat in #Misc #Music #Copyright #Music-Industry

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Ich wollte ja eigentlich gar nichts schreiben von dem Unsinn von Herrn Lieberberg, den er da bei der Süddeutschen verzapft hat. Und auch als Malte diesen Unsinn zwar nicht komplett, dann aber doch mehr oder weniger unterschrieben hat, dachte ich mir: Nee, René, Du schreibst jetzt nicht nochmal zum tausendsten mal auf, dass das Unsinn ist, was da steht. Die Copyright-Diskussion langweilt mich etwas, denn die Argumente sind festgefahren. Aber ach, was solls, Hypebot hat eben den zwar alten aber brillanten Artikel von Wired-Gründer Kevin Kelly „Better than free“ rausgekramt. Darin steht:

The internet is a copy machine. At its most foundational level, it copies every action, every character, every thought we make while we ride upon it. In order to send a message from one corner of the internet to another, the protocols of communication demand that the whole message be copied along the way several times. IT companies make a lot of money selling equipment that facilitates this ceaseless copying. Every bit of data ever produced on any computer is copied somewhere. The digital economy is thus run on a river of copies. Unlike the mass-produced reproductions of the machine age, these copies are not just cheap, they are free. [...]

When copies are super abundant, they become worthless.
When copies are super abundant, stuff which can't be copied becomes scarce and valuable.

Lieberberg hingegen schreibt:

Wieso erlauben wir hier die flächendeckende Enteignung? Was für ein Gesicht machen wir, die wir mit Kreativen Geschäfte machen und/oder die Schätze ihrer Arbeit lieben, wenn uns die Gratis-Fratze angrinst? Und auf welcher Seite steht die Politik?

Wenn Lieberberg ein wenig mehr Ahnung vom Netz hätte (was er nicht hat, wie ein paar Absätze Begriffe wie „Web-Zombies“ und „jeder Narr einen Blog“ suggerieren), würde er wissen, dass das Konzept „Free Music“ eine unabdingbare Folge digitaler Ökonomie ist und in keiner Weise einer mit einer „Enteignung“ gleichzusetzen ist, so wie Lieberberg schreibt. Und weil er das nicht weiß, hier nochmal, ein Remix aus vergangenen Postings hier auf Nerdcore:

Was die Musiklobby nicht begreift: die digitale Datei ist prädestiniert für das Konzept der Kopie. Denn Kopien digitales Files sind strengenommen keine Kopien, sondern absolut gleichwertige Klone des Originals, was das ganze ja für die Content-Industrie auch so gefährlich erscheinen lässt. Wenn dann der monetäre Wert von Musik aufgrund der potentiell unendlich oft zu reproduzierenden Files gegen Null tendiert, dann ist das kein Diebstahl und auch nicht wirklich doof und hat erst Recht nichts mit Enteignung zu tun, sondern das ist eine zwingende Folge digitaler Ökonomie.

Ein weiteres, altes Argument gegen den Begriff Diebstahl, den Lieberberg zwar nicht fallen lässt, der aber in seinem kompletten Text mitschwingt: Diebstahl ist definiert laut § 242 Abs. 1 StGB:

Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Der Fokus liegt hier auf dem Begriff „Wegnahme“. Eine Kopie fügt immer hinzu, nimmt niemals weg.

Mit einem Punkt hat Lieberberg allerdings Recht: Telkos, Apple und die ISPs verdienen Geld, von dem die Musik- beziehungsweise die Kulturindustrie nichts sieht. Wer aber einmal in der Musikindustrie hinter den Kulissen gearbeitet hat, weiß, was für ein absoluter Alptraum Lizensierungsverhandlungen mit Labels sind und wieviele Rechtsabteilungen da auf einmal mitreden. Diese Dinosaurier-Mentalität der Labels verhindert natürlich ein klares, digitales Businessmodel, das sich an der Realität der digitalen Ökonomie orientiert und das, Herr Lieberberg, ist alleine das Problem der Musikindustrie.

Nun, all das führt natürlich zur Frage, wie die MI weiterhin Geld mit Musik verdienen kann. Darüber haben sich die Jungs von Netzwertig neulich schon Gedanken gemacht: Musik und Internet: 10 Erlösmodelle für Musiker und im Endeffekt geht es um diese Kausalkette:

Wenn digitale Musik aufgrund der digitalen Ökonomie nichts wert ist beziehungsweise solange wir die sogenannte Aufmerksamkeitsökonomie noch nicht wirklich umsetzen können (was das Spiel erheblich verändern würde), dann muss ich nicht-digitale Güter produzieren. Special-Editions, Konzerte bzw. Events, Merchandising, you name ist. Lieberberg schreibt zum Beispiel auch „Millionen potentieller Zuschauer gehen nicht mehr bis zur Kinokasse, wenn sie einen neuen Film sehen wollen“. Das ist Bullshit, die Kino-Besucherzahlen steigen seit ein paar Jahren an und warum? Weil ein Kinobesuch etwas einmaliges, digital nicht reproduzierbares Gut ist, deshalb.

Mein Fazit: Herr Lieberberg schreibt aus berechtigten Gründen heraus, nämlich Unkenntnis und Angst, ziemlichen Bullshit, der sich in ein paar Jahren in Luft auflösen wird. Die digitale Realität wird ihn einholen und es werden sich neue Erlösmodelle für Künstler einfinden, denn eins ist sicher: Music will never die.

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