Martha Cooper Interview über Sticker und Graffiti

Die Berlinpiraten haben ein sehr schönes Interview von ZDF New York Mitarbeiterin Jennifer Rotter mit Martha Cooper.

Graffiti und Post-Sticker sind beide nicht sehr langlebig. Sie werden entfernt, übermalt oder vom Wetter zerstört. Was fasziniert Dich so an vergänglicher Straßenkunst?
MC: Keine Ahnung. Ich bin nicht gut im Analysieren von Gründen. Ich interessiere mich einfach für Folklore und städtisches Brauchtum. Ich funktioniere wie eine Art „Folklore-Geigerzähler“, der bei manchen Dingen, die ich sehe, einfach ausschlägt. Das Neue, Unbekannte reizt mich. Ich habe das mit einem Kollegen zusammen so formuliert: Wenn wir von etwas drei Exemplare finden, haben wir ein Phänomen.

So wie Graffiti damals. Hast Du geahnt, dass das eine globale Bewegung werden könnte?
MC: Nein, niemals. Ich dachte, was ich fotografiere, verschwindet bald wieder. Deshalb habe ich es ja überhaupt fotografiert: Um eine Erinnerung daran zu haben. Ich dachte, so etwas wäre nur in New York möglich, das Resultat einer Stadt außer Kontrolle. Heute gibt es Graffiti in Ländern wie Schweden, das muss man sich mal vorstellen. Ich habe einen ganzen Stapel schwedischer Graffiti-Magazinen voller bemalter Züge.
Hier in New York dagegen werden kaum noch Züge besprüht. Oder anders gesagt: Die werden heute unheimlich schnell gereinigt. Ist das nicht Ironie des Schicksals? An der Geburtsstätte des Graffiti bleiben die Züge sauber, dafür wandert das Phänomen um die ganze Welt.

Was faszinierte Dich so an Graffiti?
MC: Dass es eine geheime, illegale Kunstform war, die Erwachsene nicht verstanden haben.

Martha Cooper: Ein Graffiti-Interview