Amoklauf in Winnenden (UPDATE)

11.03.2009 Misc #Amok

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Ein Jugendlicher hat bei einem Amoklauf 10 Schüler und drei Lehrer erschossen, bei einem Schußwechsel mit der Polizei kamen zwei weitere Passanten sowie der Amokläufer ums Leben. Da kommt man aus einer Besprechung wegen irgendwelcher Projekte und Banner und Gestaltung und Photoshop und dann das.

[update] Telepolis:

Um halb zehn heute morgen betrat ein junger Mann im schwarzen Kampfanzug die Alberville-Realschule in Winnenden, 20 Kilometer nordöstlich von Stuttgart, und "schoss einfach um sich", so ein Polizeisprecher. Er soll allerdings "gezielt" während des Unterrichts in zwei Klassenzimmer gegangen sein.

Vorläufiges Ergebnis des Amoklaufs: mindestens 12 Tote an der Realschule, mehrere Verletzte, Fassungslosigkeit, Schock und Trauer. Der Südwestfunk zitiert Augenzeugen, die von einem Lehrer unter den Opfern sprechen.

Der Täter kam bei einem Schusswechsel mit der Polizei in einem Supermarkt-Areal in Wendlingen ums Leben. Wendlingen liegt gute vierzig Kilometer von Winnenden entfernt- Laut Google-Map-Routenberechnung braucht man für die Strecke im Auto etwa 35 Minuten. Nach Informationen des SWR war der mutmaßliche Täter im Porsche seines Vaters unterwegs. Auf der Flucht soll er zwei weitere Menschen erschossen haben.

Der Verdacht fiel nach Angaben örtlicher Medien schnell auf einen 17jährigen ehemaligen Schüler, dessen Haus bereits durchsucht wurde und in dem 16, allerdings legal erworbene, Waffen gefunden wurden. Die Waffen gehören seinen Eltern. Der mutmaßliche Täter soll Mitglied in einem Sportschützenverein sein

[update] Unbedingt lesen: Stefan Niggemeier.

Der auch bei mir so brennende Wunsch nach einer präzisen politischen Äußerung, nach weiteren Details, nach Hinweisen zum Elternhaus, zum Freundeskreis, kommt mir immer vor wie ein sublimierter Hütehundimpuls: Man will das ausreißende Geschehen irgendwie rational oder moralisch einholen. Die Tat soll eine Botschaft, eine Lehre enthalten. Sie muss Gründe gehabt haben, jemand muss rote Ampeln überfahren haben — und wenn wir gedanklich an diese Weggabelung zurückkehren, dann ist es, als hätten wir es halb verhindert. Als könnte die Welt repariert werden.

In Wahrheit geht das nicht. Man kann nicht jedem seltsamen Teenager mit dem Amokpräventionskatalog begegnen. Man kann nicht jeden Ballerspieler und Soziopathen unter Beobachtung halten. Und mit welchem Recht? Die meisten sind völlig harmlose Zeitgenossen.

Amok ist ein sadistisches Verbrechen: Der Schütze maßt sich absolute Macht an, demütigt seine Opfer und indirekt seine Eltern. Sadisten kann man mit Regeln, Kontrollen und Gesetzen nicht fassen, sie freuen sich an ihrer Fähigkeit, in Systemen zu funktionieren und sie gleichzeitig auszutricksen.