Richard Dawkins meets Ted Haggard


(Youtube Direktdawkins, via CynC)

Hier ein altes Video von Richard Dawkins (schon wieder, ich weiß), in dem er auf den Evangelikalen Ted Haggard trifft. Im Video treffen die beiden bei Minute Drei aufeinander und die Stelle die mich praktisch hypnotisierte kommt bei 5:20. Darin erklärt Ted Haggard, Dawkins wäre ein arroganter Frack, weil Haggard so viel mehr wisse. Wunderbar, auf so 'ne Art. Genau das spiegelt den Konflikt zwischen gläubigen Menschen und Atheisten, der meistens äußerst friedfertig (auch meist hier in den Comments) ausgetragen wird.

Tatsächlich ist Dawkins natürlich ein offensiver Atheist. Das finde ich gut, so bin ich nämlich auch. Er geht Religion wissenschaftlich an und fordert den wissenschaftlichen Ansatz. Das ist richtig. Denn Religion (nicht nur das Christentum) als Konzept negiert das und fordert, dass bestimmte Bereiche – Sinn des Lebens, Seele, Erkenntnis – wissenschaftlich ausgeklammert seien. Weil sie scheinbar nicht messbar sind. Bullshit.

Was Dawkins ganz richtig sieht ist folgendes: Religion ist kein göttliches, sondern ein menschliches Konzept. Vom Menschen erschaffen, in der Evolution gewachsen. Der Irrglaube an einen Schöpfer oder an ein höheres Wesen lässt sich wissenschaftlich erklären, der letzte Beweis ist leider durch das natürliche Konzept „Tod“ nicht gegeben. Und genau das ist das Problem für die Wissenschaft.

Ich bin ein Feind der Theorie, man könne Wissenschaft und Religion zusammenführen, auf der erkenntnistheoretischen Ebene. Religion ist, in meinen Augen, Bullshit, während sich die Wissenschaft an der Realität und der Messbarkeit orientiert. Denn diese Zusammenführung klingt immer nach einer Art heisenbergscher Unschärfe für Erkenntnis. Es gäbe immer diese letzte Grenze, immer dieses außerhalb liegende Wissen, dass eben nur Ted Haggard hat. Wie gesagt: Bullshit.

Was Wissenschaft in ihrer Tradition bewiesen hat, die noch tausendmal älter ist, als die Bibel, ist, ist, dass sie immer wieder im Stande ist, genau diese Grenzen einzureißen. Immer wieder Erkenntnisse zu belegen, die alle noch vor hundert Jahren für Hirngespinnste hielten.

Was ist rationaler? Atome, die sich nach dem Urknall dank Gravitation zu Haufen formten und Moleküle bildeten, die unter Umständen Netzwerke bilden können (sprich: Organismen)? Oder Papa Schlumpf, der Eva aus der Rippe Adams formte?

Wir schreiben das Jahr 2009 nach dem Tode Christus, einem meiner Meinung nach politisch verfolgten Revolutionsführer, der im Untergrund eine vor allem soziale Bewegung anführte. Ich bewerte den humanistischen Teil der christlichen Lehre sehr hoch, die zehn Gebote sind bis auf den Gottesbullshit ziemlich okay. Du sollst nicht stehlen oder töten, geht schon klar.

Wir schreiben 2009 und ich denke wirklich, die Auseinandersetzungen zwischen atheistischen und religiösen Menschen auf der Welt sind nur das Aufbäumen der Gläubigen, bevor sich ein großer Teil der Menschheit der wissenschaftlich vernünftigen Erkenntnis anschließt: We are just Atoms. Atome in einer wundervollen Kombination.

Und dieses Wunder ist nicht irgendeinem Gott geschuldet, sondern der Natur.