Zukunft

05.02.2009 Misc
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Ich habe grade zum erstenmal seit Sonntag Johnny Cashs „Hurt“ durchgehört, ohne zu weinen. Der Schmerz lässt nach, die Leere bleibt. So ist das also.

Ich habe mit dem Tod meines Vaters nicht erst seit Sonntag gelebt. Seinen ersten Herzinfarkt hatte er vor 20 Jahren, seinen zweiten irgendwann. Wenn man mit einem 160kg schweren Mann, der zwei Infarkte hinter sich hatte, lebt, dann schwebt diese Gefahr immer im Raum. Diffus, nicht greifbar, aber sie ist da. Vor zwei oder drei Jahren sagte er in einer dieser Tabula-Rasa-Diskussionen zu mir: „Wer weiß, wie lange ich noch lebe“. Er wusste ganz genau, wie es um ihn bestellt war.

Mich erreichen seit Sonntag immer Mails von Menschen, die das, was ich hier mache unglaublich finden. Die behaupten, sie hätten nicht die Kraft, so über den Tod ihres Vaters zu schreiben. Ich sage: Ich hatte das Posting zum Tod meines Vaters schon lange im Kopf. Nicht ausformuliert, nicht geformt, aber ich wusste: Ich schreibe darüber. Weil ich muss. Weil ich wusste: Das kommt. Das wird passieren. Und die Kraft hat jeder. Es ist nur ein Eingabefeld für Text, in das man seine Gedanken haut, es ist nur eine Website. Meine Website. Selbstverständlich findet darauf der Tod meines Vaters statt.

Auch: Schweigen wäre absurd. Ich schreibe seit 4 Jahren ins Netz, und das nicht zum erstenmal in Form von Persönlichkeitsstriptease. Es wäre absurd, würde ich über dieses Ereignis nicht in dieser Form ins Netz schreiben. So wie ich das hier grade tue: es ist normal für mich, auf 'ne Art. Die Öffentlichkeit ist normal geworden, irgendwie. Und sie ist schön. Tatsächlich. Keine Sorge: Mit Euren Comments oder Mails stört ihr nicht, sondern ihr tragt bei. Wie Pixel, wie gesagt. Und es ist gut.

Mein Vater schlief seit 10 Jahren mit einer Atemmaske. Das rauschende Geräusch dieses medizinischen Geräts fehlt in jeder Nacht. Wir wussten alle, dass dieser Tag kommt, und zwar nicht in der Ferne, sondern bald. Wenn es dann passiert, hört die Welt dennoch auf zu existieren. Es passiert nicht überraschend, aber plötzlich. Ich latsche seit Sonntag durch Wattebäusche, alles ist gedämpft.

Ich schreibe deshalb darüber, weil es mich befreit. Weil es mich die Unfassbarkeit dieses Ereignisses in Worte fassen lässt, weil es mich die Unfassbarkeit begreifen lässt. Diese Texte sind komplett egoistisch und eigentlich nur für mich und ich antwortete bisher mit keinem Kommentar, weil ich es unpassend fände. Irgendwie. Aber seid sicher: jeder Kommentar ist ein Baustein einer Stütze... aber das hatte ich ja bereits erwähnt.

In Zukunft, um bei der Headline zu bleiben, geht es hier weiter, wie bisher, vor dem 1. Februar 2009. Nur besser. Ich habe 3000 fantastische Items geflagged, ich scheiß' Euch nächste Woche dermaßen zu mit Content, dass es rauscht. Weil er alles andere nicht gewollt hätte, das weiß ich genau. Aber bevor mein Vater unter der Erde ist, bleibt Nerdcore persönlich.

Weil es muss, weil ich muss. Und nicht anders kann.

Ich wiederhole mich, aber: Das war und ist der schwerste Gang meines Lebens. Ihr wart dabei. Dafür danke ich. Und zwar mir.