Wie man ohne Fahrstuhl in den zwölften Stock eines Hauses zieht, ohne wahnsinnig zu werden

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Es begab sich also am 28. Januar 2009, dass ich die Schlüssel zu meiner ersten Wohnung in Berlin überreicht bekam. Ich sprang also ein bisschen in Berlin herum, packte meinen Kram bei Nilz zusammen, dem ich nun ungefähr zweieinhalb Monate die Butze vollgequalmt hatte, und zog mit zwei Matratzen, einer schweren Tasche voller Klamotten, einem Rucksack voller Klamotten, zwei schweren Kartons voller Roboter, DVDs, Bücher und Comics, fünf Stofftaschen voller Bücher und Comics und Papierkram, einem Wäscheständer, einer Tasche mit einer Playstation und ein paar Games und ein bisschen Bettwäsche von dannen.

So ein Umzug in den zwölften Stock eines Hauses ist mit so viel Kram dann kein Problem, wenn der Fahrstuhl fährt. Wenn selbiger kaputt ist, ist man ziemlich gefickt. Und so saß ich gestern abend um 18 Uhr auf zwei Matratzen, einer schweren Tasche voller Klamotten, einem Rucksack voller Klamotten, zwei schweren Kartons voller Roboter, DVDs, Bücher und Comics, fünf Stofftaschen voller Bücher und Comics und Papierkram, einem Wäscheständer, einer Tasche mit einer Playstation und ein paar Games und ein bisschen Bettwäsche, reckte meine Fäuste geballt gen Himmel und schrie: „Warum, Du ungeficktes, nichtexistierendes Dings... warum?!“ Als schließlich zwei Jungs in Overalls den Vorraum betraten, die mir mitteilten, das Ding sei tatsächlich kaputt, man habe zwar einen Techniker gerufen, man wisse aber nicht, wann der komme, da stellte ich flugs nur folgende Frage: „Soll ich jetzt 'ne Stunde warten und dann den Scheiß hochtragen? Oder soll ich lieber gleich damit anfangen?“ Darauf antwortete der eine: „Kleiner Tipp: Fang gleich damit an, der kommt heute eh nicht mehr.“

Woraufhin ich mein Gesicht in den Händen begrub und anfing zu weinen.

Zwei Matratzen, einer schweren Tasche voller Klamotten, einem Rucksack voller Klamotten, zwei schweren Kartons voller Roboter, DVDs, Bücher und Comics, fünf Stofftaschen voller Bücher und Comics und Papierkram, einem Wäscheständer, einer Tasche mit einer Playstation und ein paar Games und ein bisschen Bettwäsche schleppt man am besten so in den zwölften Stock:

Zunächst schleppte ich alles der Reihe nach in den zweiten Stock. Da hat man schonmal eine psychologische Marke erreicht, denn ein Sechstel der Arbeit ist getan, die Horrorvorstellung von fünf Sechsteln, die noch vor einem liegen ist aber leider allgegenwärtig. Von hier packt man zunächst die schweren Kartons in Zweierschritten nach oben, durchsetzt von leichterem Kram, den man gleich vier Stockwerke weiter nach oben transportiert. Am Ende dieses mittleren Durchgangs hat man den Kram also von Etage 10 bis 4 verteilt. Nun beginnt der vorletzte Akt: Alles wird in den zehnten geschleppt von wo aus man den fiesen finalen Arbeitsschritt einleitet und alles in den 12. Stock hievt.

Was sich hier locker in einer Minute gelesen hat, dauerte gestern drei Stunden. Drei Stunden des Ackerns, Schwitzens und Fluchens. Immerhin: Ich habe dabei das halbe Haus kennengelernt, die immerhin auch die Treppe benutzen mussten. Dabei ergaben sich lustige Dialoge, die ich genau so ungefähr zehnmal führte. Das ging dann so:

X so: „Ach je, ausgerechnet jetzt!“
Ich so: Keuch (leise, fast flüsternd:) „Ich weiß!“
X so: „In welche Etage müssen Sie denn?“
Ich so: Japps (leise, fast flüsternd:) „12“
X so: „Ach Du scheiße!“ gefolgt von einem mitleidigen Blick.
Ich so: Keuch (leise, fast flüsternd:) „Ich weiß!“

Schließlich hat man irgendwann nach drei Stunden seinen ganzen Kram in der Wohnung und einen Bärenhunger. Woraufhin man nochmal alle 12 Etagen runtersteigt, im Supermarkt vor der Tür einen abgepackten Salat und Brot und ein paar Getränke kauft, alle 12 Etagen wieder nach oben steigt, bei Kerzenlicht (man hat ja noch keine Lampen, nicht wahr?) das beste Mahl seines Lebens vertilgt, ins Bett fällt wie ein Stein und innerhalb von drei Sekunden einschläft.

Ich hab' das mal ausgerechnet: Ich habe ungefähr bei jedem Hochschlepp-Vorgang: 1 Matratze bzw. 1 Karton bzw die große Tasche plus Rucksack plus drei kleine Taschen, den Wäscheständer plus Bettwäsche und die Playstationtasche plus noch zwei Taschen – ich musste also diese zwölf Etagen sieben mal hoch- und runterlatschen, mit Zeugs! Das sind 72 84 Etagen. Zum Vergleich: das Empire State Building hat 102 Stockwerke. Ich habe also gestern mit Umzugsscheiß ungefähr drei Viertel der Höhe des Empire State Buildings erklommen.