Ehemaliger EMI-Chef über P2P

Eric Nicoli, der ehemalige Chef der EMI in einer Diskussion auf der Midem mit Gnutella-Mitentwickler Ian Rogers und Michael Robertson, CEO von MP3Tunes, über P2P und Napster. Wie sagt man? Einsicht ist der erst Schritt auf dem Weg zur Besserung.

Die Persönlichkeiten, die im ersten Jahrzehnt des digitalen Musikgeschäfts an der Spitze der großen Musikunternehmen standen, hätten die Rolle der "Gatekeeper" behalten wollen, räumte Nicoli ein. Das Unvermögen, Partnerschaften einzugehen, sei daher wohl einer der Fehler, die man gemacht habe. Ob ein Deal mit Napster vor 10 Jahren die Geschicke der Branche maßgeblich verändert hätte, sei schwer zu sagen. "Es ist aber ein Jammer, dass es nicht geschehen ist", so Nicoli. Nicoli verteidigte die vielen Klagen damit, dass digitale Technologien die Möglichkeit fürs "illegale Kopieren" vervielfacht hätten.

Als das Dümmste, was man nur machen kann, bezeichnete Rogers die Napster-Klage. "Man kann auch TCP-IP nicht aus der Welt klagen," sagte Rogers. Die Entwicklung von Gnutella sei auch eine Antwort auf die Napster-Klage gewesen und sie sei darauf ausgerichtet gewesen zu zeigen, dass man "den Geist nicht wieder in die Flasche hinein bekommt."

Die ewigen Klagen hätten den Weg dafür verstellt, sich der neuen Technologien zu bedienen. Anstatt über Kontrolle hätte die Branche über die Kunden und deren Bedürfnisse reden sollen. Nicoli räumte ein, dass das Wort Kunde bei den Majors zu Beginn der digitalen Dekade "nirgends vorgekommen" sei. Mit der Abkehr von Digital Rights Management habe man sich verhalten wollen, als "traue man den Kunden", sagte Nicoli. Manche hätten gesagt, dieser Schritt sei zu spät gekommen.

Eine generelle Kulturflatrate als einzigen Ausweg für die Musikbranche forderte auf dem offiziellen MidemNetBlog der ehemalige Vorsitzende der International Music Manager Forum. Eine solche Kulturflatrate empfehlen Verbraucher- und Bürgerrechtsgruppen seit vielen Jahren.

Midemnet: Musikbranche auf der Suche nach dem rechten Weg