Die SZ über das Ende von DRM, gets it totally right

Im Gegensatz zu Markus und Jens bin ich überhaupt nicht der Meinung, dass Andrian Kreye in der Süddeutschen irgendwie daneben liegt mit seinen Ausführungen zu Apples DRM-Kick. Ganz im Gegenteil, er hat mit vielem völlig Recht.

Selbstverständlich ist DRM kein Kopierschutz, sondern Kopierkontrolle – geschenkt. Das spielt in einer unkontrollierbaren Umgebung wie dem Internet sowieso keinerlei Rolle. DRM und Kopierschutz sind schon lange tot, und das erkennen jetzt eben auch die Konzerne.

Kreye schreibt:

Ohne Kopierschutz lassen sich die Urheberrechte an digitalen Dateien mit Musik, Filmen oder Spielen nicht mehr kontrollieren. Ohne Urheberrechte aber funktioniert das traditionelle Geschäftsmodell der Kulturindustrie nur noch in einem äußerst begrenzten Rahmen.

Das ist nichts neues: Die Urheberrechte an digitalen Dateien lassen sich seit zehn Jahren nicht kontrollieren, richtig, und genau deshalb funktioniert das traditionelle Geschäftsmodell der Kulturindustrie nicht mehr, ebenfalls richtig. Das sind keine neuen Erkenntnisse, deshalb liegt Kreye damit aber nicht falsch.

Zwar schreibt er danach ein bisschen verwirrten Blödsinn mit Ölpreisen und will so ein bisschen an das grüne Gewissen von Filesharern apellieren, was gut gemeint, aber Blödsinn ist. Digitale Güter mit physischen Gütern zu vergleichen ist der große Fehler vieler Pro-Copyright-Argumentieren, dabei stellt genau der Faktor „Digitales Gut“ das Geschäftsmodell der Rechteverwerter auf den Kopf. Weil es digital ist, weil es prädestiniert zur Kopie ist, so wie es eben kein physisches Produkt der Welt je sein kann.

Deshalb hat Kreye aber auch mit diesem Satz hier so ein bisschen Recht:

im Geschäftsmodell der digitalen Industrie war das Bezahlen für kulturelle Inhalte nie vorgesehen.

Dass die Bezahlung nie vorgesehen war, ist natürlich Blödsinn. Schon immer gab es Theorien und tolle Pläne, wie Musik- oder Filmshops im Netz funktionieren können und was Kreye völlig außen vor lässt: Amazon macht ein Riesengeschäft mit dem Verkauf von (nicht nur, aber vor allem) Kulturgütern wie CDs, DVDs und Büchern. Aber das Bezahlen war ja nie vorgesehen, gell? Bullshit.

Wo Bezahlung tatsächlich zwar vorgesehen war, aber durch Technologie zum Leidwesen der Künstler und Labels obsolet gemacht wurde, ist der Bereich der bereits angesprochenen digitalen Güter. Hier gab es immer tolle Pläne von seiten der Industrie, die allesamt in den Sand gesetzt wurden, bis dann schließlich Apple endlich mal ein funktionierendes Modell umsetzte. Das schmälerte den Markt der (bislang unbezahlten) P2P-Downloads allerdings überhaupt nicht, aber immerhin gab es einen funktionierenden Shop für digitale Güter – von einer Computerfirma. Womit wir beim nächsten Punkt wären, mit dem Kreye Recht hat.

Es gibt einen Essay von Apple-Chef Steve Jobs mit dem Titel "Gedanken über Musik", der sich wie eine ausführliche Begründung liest, warum die Plattenindustrie ihren Anspruch auf Kopierschutz aufzugeben hat. Das macht deutlich, dass es Apple natürlich nicht um die Musik geht, sondern darum, Computer und Musikspieler zu verkaufen.

Selbstverständlich verdient Apple einen ganzen Haufen mehr Geld mit dem Absatz der iPods, als mit dem Verkauf von Musik über den iTunes-Store. Der Hardware-Absatz subventioniert den Software-Absatz, sozusagen. Diese Situation dürfte sich zwar mittlerweile ein bisschen ausgeglichen haben, im Prinzip ist der iTunes-Store aber quasi ein Tool, um den Absatz von iPods zu sichern.

Auch mit den anderen Aussagen in seinem Text, dass die Computerbranche von LSD schmeissende Hippies erfunden wurde, dass das Geschäftsmodell der Kulturindustrie nicht mehr funktioniert, dass digitale Inhalte vor allem kostenlose Inhalte sind, mit all dem hat Kreye Recht. Und zwischen seinen Zeilen klingt immer durch, dass er das alles ja irgendwie doof findet, vielleicht reagieren deshalb ein paar Blogs da draußen so pikiert. Warum? Er hat schließlich Recht: Für Kulturschaffende ist es selbstverständlich doof, dass man jetzt einfach so im Netz auf „Benjamin Button“ klickt und sich den Film zwei Stunden später auf der Couch anschauen kann.

Doof, ja. Genauso doof, und hier kommt wieder dieses alte aber nach wie vor treffende Argument, genauso doof wie es damals für die Kutscher war, als die Leute auf einmal mit dem Auto fuhren und sie genötigt wurden, Taxifahrer zu werden. Genauso doof, als die Druckmaschine erfunden wurde und den Mönchen die Schreibarbeit abnahm.

Technology is a bitch, baby und sie nimmt keine Rücksicht auf Verluste. Und genau diesen Satz hat Kreye bei der SZ aufgeschrieben, nur länger.