Die zwei Mädchen und der unglaubliche Vogelschwarm

Mein Damenbesuch von heute war und ist völlig verrückt. Die eine JUHUt mir eben ins Telefon, dass es kracht, die andere zwirbelte Zöpfe aus meiner reichlichen Unterarmbehaarung. Beide zwangen mich unter vorgehaltener Waffe dazu (die eine ist immerhin schon 25 Jahre alt, die andere unglaubliche 6 Monate), diese Geschichte von einem unglaublichen Vogelschwarm aufzuschreiben. Und die geht so:

Man muss wissen: Wenn es in der Stadt dunkel wird, wird es zwar dunkel, aber die Lichtverschmutzung sorgt bekanntlich dafür, dass es nicht finster wird. Auf dem Land, da ist das anders. Da gibt es keine Späties und wo es keine Straßenbeleuchtung gibt, da ist es fucking dunkel. So dunkel, dass man unbeleuchtete Objekte am Himmel erkennen kann, die über einen hinwegfliegen. Und nochwas wird es in der Stadt nie: ruhig. Zumindest in Berlin johlt es ja rund um die Uhr von überall her, was es schwer macht, irgendwas anderes zu hören, außer der Stadt. Auf dem Land ist das, wie gesagt, anders: Es war vor ein paar Wochen, ich kam grade von irgendwas in Frankfurt zurück und lief grade zurück in mein altes Zuhause.

Ich latschte da also durch diese wirklich finstere Straße durch dieses wirklich muxmäußchenstille Kaff, da hörte ich einen Vogel über mir. Und dann noch einen. Die Erkenntniss, dass da grade ein Vogelschwarm recht gemächlich über mich drüberflog wurschtelte sich nur langsam in mein Bewusstsein und als ich schließlich nach oben guckte, da sah ich nicht das, was man sich allgemein unter einem Vogelschwarm vorstellte, nämlich keinen Klumpen fliegendes Chaos, sondern eine sauber aufgereihte Linie irgendwelcher Vögel und diese Linie war breit, sehr breit, sicherlich die geschätzte doppelte Breite meines geschätzten Kaffs, was ja für Vögel doch schon enorm ist. Da flogen keine zwei Viecher hintereinander sondern alle nebeneinander – und zwar in einer ziemlich genauen V-Formation in einem Winkel von circa 150° Grad. Erstaunlich.

Noch viel erstaunlicher war es dann, als ich als Mensch nach oben schaute und auf einmal tatsächlich hören konnte, wie diese Vögel ihren Flug koordinierten. Zuerst stieß der Vogel an der Spitze, der Leitvogel sozusagen einen Ruf aus, dieser Ruf breitete sich dann – quasi in Stereo – zu beiden Seiten aus, was heisst, dass den Ruf des Leitvogels zunächst zwei Vögel rechts und links von ihm erwiderten, was dann wieder Vögel aufgriffen die noch weiter rechts bzw. links in dieser Linie Federvieh flog. Bis schließlich dieser Stille Post gleiche Koordinations-Ruf an den Rändern angekommen war. Woraufhin Mr. Leitvogel die nächste Runde aufrief. Was genauso wirkte, wie Flugzeugbeleuchtung, die sich von Innen zu den Rändern entlangblinkt.

Jeder Hobby-Ornithologe winkte jetzt zwar gähnend ab, aber man kann sich vorstellen, dass diese Technologie-Demo der Natur auf mich in meinem angetrunkenen Kopf ziemlichen Eindruck gemacht hat. „Man kommt sich so klein vor“ ist ein ziemlich abgedroschener Spruch, aber man kommt sich so klein vor, wenn einem die Welt sowas vormacht. Und man fragt sich, welche weiteren Technologien da draußen von mir bislang unbesehen angewendet werden.