Counterstrike Van Gogh-Mod und die Killergames, die einem kein Ohr abschneiden (aber vielleicht etwas anderes)


(Youtube Direkt, via Offworld)

Zocker sind leider nicht so kulturlos, wie Beckstein und die Killerspielargumentierer immer an die Wand malen, hier haben ein paar Jungs eine Counterstrike-Map aus Van Goghs „The Starry Night“, was jetzt keine kulturelle Großtat darstellt, aber hey: alles Texturen in der Map basieren auf Van Gogh-Gemälden. (Auch ansehen: die Disneyworld-HauntedMansion-Map von denselben Leuten, via Waxy)

Apropos Killerspiel-Diskussion: Sandro hat mir neulich diesen Link zu einem Golem-Bericht über den Münchner Kongress "Computerspiele und Gewalt" geschickt, wo sich die Verbots-Geiferer wohl die Klinke in die Hand gegeben haben und deren Einladung ja schon die Marschrichtung vorgab:

Actionspiele sind unglaublich schnell und fixieren den Spieler auf Exzesse des virtuellen Tötens und Orgien der Gewalt, die einer sensiblen und humanen Persönlichkeitsentwicklung bei Kindern und Jugendlichen entgegenwirken. Abstumpfung ist nur ein Effekt von Gewalt in Computerspielen.

Nun, die Studien, die dies belegen und widerlegen kann man mittlerweile für 50 Cent am Bahnhofskiosk erstehen, neue Erkenntnisse gibt es wohl nicht. Aber, und das muss ich auch sagen, denn die letzte Diskussion um das Thema ist jetzt auch schon wieder Jahre her: Ich sehe die Problematik nicht halb so eindeutig, wie Ihr jetzt denkt.

Ich habe eine ziemlich eindeutige Haltung was Zensur in Kunst angeht und Kunst schließt für mich (noch) nicht das Spiel-Genre ein. Sicherlich gibt es Spiele, die den künstlerischen Bereich zumindest touchieren. Auch wenn mir keine Beispiele einfallen, denn sind wir mal ehrlich: ich bin eher ein... hmm... rustikaler Zocker. Aber jeder kann sehen: „Little Big Planet“ ist mehr artyfarty als „Doom“. Das würde praktisch heissen, wenn es ein sehr (meinzwegen auch: extrem) blutiges Spiel es schafft, das ganze als kunstvolle Gesamteinheit zu verkaufen, dann stösst meine nun folgende Argumentation an ihre Grenzen. Denn:

Ich denke, Games beziehungsweise deren Technik haben ein praktisches Ziel, die Simulation der Welt nämlich. Und das möglichst fotorealistisch. Davon sind wir nicht mehr allzuweit weg, ich behaupte mal: die übernächste Konsolengeneration kann das. Und dann gib mir einen herkömmlichen Egoshooter mit jeder Menge Gore und ich hab damit ein Problem. Glaube ich. Denn ich danke, dass fotorealistische Abbildung von Gewalt in Verbindung (<-- die ist wichtig) mit Interaktion sehr wohl einen psychologischen Effekt haben wird. Nicht so sehr bei einem old fart wie mir, sehr wohl aber bei Kids. There, you have it: Ich bin ein konservativer Sack. Bin ich natürlich nicht, meine Meinung ist in dieser Frage nur nicht ganz so eindeutig. Es kommt sehr wohl auf die Qualität der Abbildung an, denke ich. Horrorfilme bilden natürlich auch fotorealistisch ab, aber die Einbindung des Rezipienten ist dort noch lange nicht so intensiv, wie in einem gutgemachten, atmosphärischen Game. Was ich sagen will ist dies: Die Killerspiel-Diskussion, die wir bislang geführt haben, wird obsolet, sobald wir diesen technischen Standard erreicht haben, der „steuerbare Filme“ erlaubt. Und wir wissen alle, dass es dann auch die entsprechenden Shooter geben wird. Sind wir nochmal ehrlich: Man hat sich ja Anfang 2008 schon bei GTA4 wie in New York gefühlt. Und, ich wiederhole mich, ich glaube nicht, dass Games keinen psychologischen Effekt auf Kinder haben und dieser Effekt verstärkt sich, desto besser die Darstellung ist. Grob gesagt hat „Mensch ärgere dich nicht“ einen geringeren Effekt als „Space Invaders“ als „Doom 1“ als „Doom 3“ als „GTA4“. Und seit dem ich gesehen habe, wie kleine Kinder auf einen bewegten Bildschirm reagieren (nämlich mit völliger Konzentration auf nur und nur diesen Bildschirm) sehe ich das Thema noch einmal kritischer. Meine Meinung ist alles andere als festgelegt, ich denke aber, die Kritiker der Kritiker sollten hier mal weiter denken, als „You only shoot pixels“. Und ich bin der erste, der seine eigene Schizophrenie zugibt: Mein Lieblingsshooter ist bis heute „Doom 3“, mit jeder Menge Zombies und Gore. Hell, yeah!