Lieber S.,

24.11.2008 Misc #Storys

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Am Wochenende haben wir uns nach Jahren mal wieder gesehen und ich muss leider etwas sagen, was mir keinen Spaß macht. Denn: Du bist ein verbittertes Arschloch geworden.

Früher, ja. Früher. Da sind wir durch die Clubs gezogen, haben die ersten Tüten geraucht, die ersten Frauen gehabt, haben uns auf Autofahrten nach Hause unsere goldene Zukunft ausgemalt. Was haben wir rumgesponnen, früher, damals. Lange ist's her. Ich als DJ in Deinem Club. Am besten zusammen wohnen, na klar, vorzugsweise direkt neben J, der uns „das Zeug“ direkt in den Briefkasten liefern könnte. Heute lebst Du immer noch im Anbau bei Deinen Eltern, J ist neulich erst in den Knast gewandert, nachdem die Bullen auf der Geburtstagsparty des Schwagers die Wohnung durchsuchten und natürlich was fanden und das hat alles nicht so geklappt, das mit dem Schulabschluß, das mit der Arbeit, das mit dem Leben und so.

Ich hab Dich am Wochenende wieder gesehen und habe festgestellt, dass Du ausschließlich negativ bist. Ausschließlich. So wie ich es in den letzten Jahren bei keinem Menschen erleben musste. Ich habe alte Kumpels wiedergesehen und es war, als ob keine Sekunde vergangen wäre. Da haben wir gelacht über alte Zeiten, rumgesponnen, Blödsinn geredet... nicht so bei Dir. Alles ist scheiße. Der Film, die Burger, das Leben, ich, Du. Frauen bezeichnest Du als „Fickfleisch“. Maybe, just maybe, that is why?

Niemand kann was für Dein verpfuschtes Leben und wer weiß: vielleicht kommt Dein großer Moment noch. Vielleicht bist Du aber auch zu verbittert, um das zu sehen. Vielleicht bist Du zu verbittert für Hoffnung und wahrscheinlich fehlt Dir die Perspektive. Die Zeiten, in denen „wir“ die coolste Bande around waren, sind seit Jahren vorbei. Und ich bin so froh, dass es so ist. Während Du gefangen bist, in dieser Zeitblase, die dir in Deinem Hirn vorgaukelt, immer noch genauso cool zu sein, wie wir es vor Jahren einmal waren, bin ich weitergegangen und zwar einen Weg, den Du nicht gehen konntest. Das tut mir leid. Nicht.

Keiner kann was für Dein scheinbar verpfuschtes Leben. Die Eigenschaft, sich selbst am Schopf aus der Scheiße zu ziehen hast Du scheinbar niemals gehabt. Und scheinbar fehlen Dir die Eier, die Fehler einfach mal bei sich zu suchen. Reflektion = Fremdwort. Wenn Du diese Eier eines Tages findest, dann können wir das gerne machen: Dieses Wochenende in Berlin, durch die Kneipen ziehen. Bis dahin aber zunächst das hier: Bleib mir weg mit Deiner negativen Art, dieses ausschließliche Schlechtreden macht krank, vergiftet die Atmo, sorgt für Bad Vibes, ich habe darauf keine Lust und zwar vor allem, weil ich in den vergangenen 10 Jahren Menschen kennengelernt habe, die das genaue Gegenteil leben. Die mir zeigten, dass es auch anders geht. Man kann auch mal Sachen gut finden. Man darf auch mal positiv sein, auch wenn die eigenen Umstände vollig beschissen sind. Dazu braucht es gar nicht viel, nur ein bisschen... Dingsbums!

Zu behaupten, unser Wiedersehen am Wochenende wäre schön gewesen, wäre eine Lüge, leider. Es war eine Lektion, eine Bestätigung der Entscheidung, gewisse Menschen, die in meinem Leben eine Rolle spielten, zurück zu lassen und weiter zu gehen. That's life – vielleicht kapierst Du das auch mal. Irgendwann. Und dann erkläre ich Dir mal das mit dem Karma.