Wie mir am Wochenende kein Handy geklaut wurde und ich doch nicht auf's Maul bekam

Mein erster tatsächlicher WTF-Moment in Berlin. Ich sitze bei meinem Türken und verspeise einen Döner für Zweifuffzich zum Frühstück um zwölf Uhr mittags. Döner für Zweifuffzich löst in mir übrigens immer noch unkontrollierbare Zuckungen der Freude aus und das wird wohl noch ein paar Tage so bleiben, denn man muss wissen: Döner kostet da wo ich herkomme ungefähr das Doppelte. Ungeheuerlich. Jedenfalls saß ich da so bei meinem Türken und verspeiste einen Döner für Zweifuffzich. Nun muss man wissen, dass ich, als ich auf mein Mittagsmahl wartete, auf meinem iPhone das Game „Bejeweled 2“ spielte, ein Game, dass man mir lieber mal wegnehmen sollte, denn ich bin hochoffiziell süchtig und mein Rekord liegt bei Level 17. Als meine Fladenbrot/Fleisch-Mischung kam, legte ich das Ding beiseite und fing an zu kauen. Ein Fehler.

Denn mitten in meinem Dönerfürzweifuffzich-Ritual grapschte auf einmal ein junger Mann nach meinem iPhone und meinte lapidar „Ey, is mein Handy jetz“ und mein Puls beschleunigte von mittagsfrühstückfreundlichen 3 Schlägen pro Minute auf 785 pro Sekunde, Adrenalin pumpte durch meinen Körper und ich dachte nur „Oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck, jetzt wird Dir Dein Handy abgenommen“. Dann lachte der junge Mann und meinte „Nee, isch hab auch eins, is das 3G?“ Da blieb mir nur die Erwiderung „Ey, Alter, Du Arschloch“, begleitet von einem befreiendem Lachen und ab da unterhielten wir uns kurz über iPhones und Touchscreens und mein Puls beruhigte sich langsam, aber sicher. Das Handy habe ich danach doch lieber in die Tasche verfrachtet.

Timewarp. Zirka 36 Stunden später, es ist Nacht und ich bin auf dem Weg zu einer als Ausstellung verkleidete Party oder auf eine als Party verkleidete Ausstellung, da bin ich mir noch nicht so sicher.

Wie es in Berlin so Brauch ist, kaufte ich mir an einem der tausend Stände ein Becks und latschte vom U-Bahnhof zur Straßenbahn, als hinter mir ein weiterer junger Mann losrennt, um die Tramm zu erwischen, rempelt mich selbstverständlich an und das Bier fliegt einen tollen Looping drehend zu Boden, nicht ohne meine und seine Hose zu versauen. Er rannte noch eine Weile, als ihm das Malheur auffiel und er zu seiner ebenfalls rennenden Gang meint: „Ey, der Wichser hat sein Bier auf mir ausgeleert“ oder sowas. Jedenfalls guckte er ziemlich sauer und ich dachte nur „Oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck oh fuck, jetzt gibt's auf die Fresse“. Meine Deeskalationsstrategie bestand im zügigen Besteigen der Straßenbahn, in der die Jungs breitarmig an mir vorbeischritten und mich böse anschauten, während ich eine ausladende Geste inklusive sehr hochgezogener Augenbrauen machte, womit ich körpersprachlich „Shit happens“ und „Selber schuld“ sagte.

Passiert ist nix und Berlin meint es gut mit mir. Noch.