Von der Unsitte, etwas nicht zu bloggen, weil es schon bei X steht

Gepostet vor 7 Jahren, 9 Monaten in Misc

Es gibt da einen beunruhigenden Trend in der deutschen Blogosphäre. Also, ich weiß nicht wirklich, ob das ein Trend ist, aber es ist so ein Dings, dass mir ziemlich fremd ist, ohne das jetzt wirklich bewerten zu wollen. Das steht recht komprimiert bei Nerdism is sexy:

Eigentlich ist einer meiner Bloggergrundsätze ja, nix zu recyclen, wenn's schon am gleichen Tag bei Nerdcore aufgetaucht ist.

Dieses Argument hatte ich auch neulich schon auf dieser Bloggerparty mit mspro und Plomlompom besprochen und vorhin nochmal mit Kai von Stylespion, die das auch so vertraten und meinten, sie stünden nicht auf Redundanz und auch die Befürchtung äußerten, Nerdcore könnte obsolet werden, weil die Leute ja die Quellen lesen. Ich vertrete da einen komplett anderen Standpunkt.

Grundsätzlich ist alles, was ich hier tue, folgendes: ich gestalte hier eine Website mit Inhalten. Das englische Wort „edit“ passt hier hervorragend: Ich editiere eine Website. Und diese Website ist thematisch auf das fokussiert, was mich, alleine mich anmacht. In meinem Fall sind das eben Comics, Design, Horror, Filme, Web-Memes... you name it. Alles, was mich im Feedreader anspringt, landet hier und dass diese Themen auch andere Menschen interessieren, ist super, aber nicht meine Motivation, weshalb ich auch immer wieder über Comics schreibe, obwohl die meistens Null Reaktionen hervorrufen und wohl bei Nerdcore-Lesern eher unpopulär sind. Das ist mir schlicht egal.

Dieser Fokus verschiebt sich genauso, wie man im echten Leben nicht ständig nur Horrorfilme ansieht, sondern auch mal eine Session mit allen Sherlock Holmes-Filmen mit Basil Rathbone einlegt. Solche Verschiebungen in meinem Geschmack (es ist kein Wunder, das in obiger Aufzählung keine Musik auftaucht) kann man bei Nerdcore wunderbar nachvollziehen, aber auch die Konstanten (Giant Thisnthat from outer space beispielsweise). Es geht mir beim Bloggen also vor allem lediglich um mich und meine Website und den Content, den ich da haben will. Und ich verstehe es tatsächlich überhaupt nicht, warum ich da andere Websites zum Maßstab machen soll.

Soviel also zu meiner Motivation, sozusagen: ich schreibe hier quasi nur das Blog, das ich gerne lesen würde. Was andere Blogger aus ihrer Website machen ist mir eher wurscht. Wenn ich aber auf anderen Blogs oder Websites etwas finde, das ich auch bei mir haben will, dann ist mir ebenso wurscht, wie „groß“ das Blog ist, wie bekannt, wer das jetzt schon alles gelesen hat oder wie redundant das ist. Alles was dann zählt ist folgendes: ich habe da tollen Content und ich habe hier eine Website, die ich editiere. Natürlich blogge ich das dann, und dabei ist es mir völlig egal, ob das nun auf Spreeblick, auf Netzpolitik, auf Boing Boing, auf Neatorama oder sonstwo steht. Weil ich den Scheiß eben auch bei mir haben will.

Das ist, ja, redundant. Diese Redundanz nennt man in diesem Falle aber Vernetzung und ist in diesem Internetz nicht unwichtig, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wenn man diese Redundanz online vermeidet, arbeitet man gegen eins der Grundprinzipien des Netzes. Ohne diese Redundanz wäre das Internet nur eine Sammlung von Dokumenten und den Hyperlink könnte man in die Tonne treten. Deshalb meine Bitte: denkt, wenn Ihr etwas online findet, nicht daran, wo das bereits steht oder stehen könnte. Sondern alleine daran, ob Ihr das auf Eurem Blog haben wollt, oder nicht. Das ist alles, was zählt.

Ich gehe dabei ja sogar noch weiter mittlerweile. Es kommt immer wieder vor, dass ich wegen Zeitmangels den Feedreader scanne und interessante Items flagge, die ich dann einen oder zwei Tage später raushauen will. Wenn da mittlerweile ein deutsches Blog drüber geschrieben hat, dann nenne ich dieses Blog als Quelle, nicht das amerikanische oder besser: internationale. Read global, link local, sozusagen. Das aber nur am Rande.

Tags: Blogs Internet

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