Bail Out Bullshit

06.10.2008 Misc #Economy

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Als ich mal einen Finanzberater hier hatte, der mir diese berühmte Konjunkturkurve zeigte, die langfristig natürlich immer nur up-up-up geht, da war meine erste Frage: Warum? Wer sagt das? Ist das ein Naturgesetz? Und wohin soll das alles hinwachsen? Konnte er mir nicht beantworten, sinngemäß sagte er dazu: „Ishaltso“. Was ja auch eine Aussage ist. Irgendwie.

Wer diese Lachnummer called Finanzkrise einigermaßen überschauen möchte, darf keine klassischen Medien lesen, sondern muss Blogs abonnieren. Zu keinem anderen Schluß kann man kommen, wenn man sich dieses seichte Pallaver gestriger Anne Will-Sendung anschaut oder in allen „Qualitätsmedien“ der Quatsch von einer „Rettung“ der HRE zu lesen ist. Insgesamt pumpen die Regierung und Banken also 50 Millarden Euro in die angeschlagene Bank, wobei „angeschlagen“ noch sehr zurückhaltend formuliert ist.

Das Problem dabei: die Bank hat 68 Millarden Schulden, die jetzt fällig sind. Da kommen nochmal 116 Millarden in den nächsten Monaten hinzu. Und ganz am Ende stehen 350 Millarden Schulden. In den Traditions- und „Qualitäts“-Medien steht das natürlich nicht. Die Leute könnten ja auf einmal anfangen, zu denken. Und wenn sich Missus Merkel hinstellt und sagt, Spareinlagen seien sicher, dann klingeln bei mir alle Alarmglocken und ich muss an die Rente und Mauern denken.

Der Spiegelfechter schreibt dazu:

„Ihre Gelder sind sicher“, so ließ sie gestern verlauten, um einen Bank Run zu verhindern. Der Staat würde sämtliche privaten Einlagen garantieren. Wie sie sich dies konkret vorstellt, ließ die Merkelin selbstverständlich offen. Einlagen bei allen Instituten sind gesetzlich bis zu einer Höhe von 20.000 Euro zu 90% staatlich abgesichert. Die Einlagen bei den Genossenschaftsbanken und Sparkassen, letztere haben immerhin eine Bilanzsumme von 3.600 Milliarden Euro, sind ohnehin vom Staat in voller Höhe garantiert, da er im Falle des Zusammenbruchs einer Sparkasse letztendlich für alle Verbindlichkeiten und Einlagen haftet. Bei den Privatbanken springt in einem solchen Falle der Einlagensicherungsfonds ein – da dieser aber bereits aufgrund der Lehman-Brothers Pleite bis ans Ende seiner Leistungsfähigkeit strapaziert wurde, kann man im Falle des Kollapses einer Großbank wohl kaum auf ihn zählen, zumal alle Zahlungen, die über die Reserven des Fonds hinausgehen, nur fakultativ [nicht verbindlich] sind.

This American Life hat übrigens ein Follow-Up (MP3) zu seinem Special von vor zwei Wochen, der ganz gut erklärt, warum das alles wirklich sehr, sehr ernst ist. Ansonsten gilt aber natürlich: Damn, it feels good to be a Banksta!

(Comic via Waxy, Podcast via MeFi)