Wie ich die Wende erlebte

Gepostet vor 8 Jahren, 5 Monaten in #Misc #Politics #History

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Als die Mauer fiel, da war ich 16 Jahre alt und hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung und ich interessierte mich für alles andere, als Nachrichten. Ich war aufgewachsen im kalten Krieg, die Russen waren erst böse, dann kam Gorbi. Ganz diffus erinnere ich mich noch an die letzten Tage des deutschen Terrors, an Häuserbesetzungen, an Demonstranten und Wasserwerfer. Wackersdorf. Startbahn West. Nachrichten waren für mich bis dahin immer Gewalt, Krieg und Terror. Und dann stand nach einem Sommer, in dem bereits offensichtlich wurde, dass die DDR bröckelt, Außenminister Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft und sagte: „Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist“.


(Youtube Direktwende)

Ich gebe zu: ich hab damals die ein oder andere Träne weggedrückt und mir war glasklar: nichts ist mehr, wie es mal war. Und ungefähr einen Monat später fiel die Mauer. Da habe ich dann noch mehr Tränen weggedrückt. Auf die Probleme, die diese im historischen Maßstab gesehen sehr plötzliche Wiedervereinigung mit sich gebracht hat, will ich hier gar nicht eingehen. Ich will nur mal wieder darauf hinweisen, dass diese Wende damals wie heute kein kleines, sondern einfach nur ein Wunder war und ist. Power to the People in seiner reinsten Form und ich beneide jeden einzelnen, der an diesen Tagen vor Ort dabei sein konnte und seinen Teil zu diesem Wunder beigetragen hat.

In diesem Sommer und dem darauf folgenden Herbst habe ich gelernt, dass Nachrichten auch mehr enthalten können, als Terror, Gewalt und Tod. Mehr als gegeneinander, mehr als Arbeitslosenzahlen oder Wasserwerfer oder explodierende Space Shuttles. Was wir... nein, falsch. Was Ihr da vollbracht habt, war ein Zeichen, eine beeindruckende Demonstration des Konzepts „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. Die beeindruckendste, die ich in meinem Leben gesehen habe; und es ist hoffentlich nicht die letzte. Und deshalb will ich einfach mal was loswerden:

Danke!

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