We call it Techno! – A documentary about Germany´s early Techno scene and culture

[update] Die Doku ist bei Google-Video weg, ist aber immer noch toll.

[update] Bei Google gibt es nicht die komplette Doku, sondern nur die erste Hälfte. (Danke Saint!)

Wunderbare Dokumentation über die Anfänge der deutschen Technoszene, die erstmal ganz korrekt in Frankfurt mit Interviews mit Väth, Azary und Talla2XLC beginnt. Talla hat den Begriff schließlich erfunden und Industrial und EBM in Deutschland damals bekannt gemacht, was ich nur am Rande mitbekommen habe... hey, ich war 14 oder so. Richtig bei Techno bin ich so um 1990/91 eingestiegen, dann aber richtig. Grade sehe ich Bilder der allerersten Loveparade, schon unglaublich, was aus so einem Haufen von 189 Leuten entstehen kann. Die DVD kann man exklusiv im Sense Musicshop kaufen.

Techno hat Deutschland in die Karte der Popkultur eingetragen. Nirgendwo auf der Welt versetzte die elektronische Tanzmusik das Publikum in eine derart ungebrochene Ekstase. Obwohl die Musik 2009 ihren zwanzigjährigen Geburtstag feiert und die hiesige Szene im Ausland als Gralshüter verehrt wird, ist das Phänomen filmisch bisher nicht angemessen behandelt worden. „We Call It Techno!“ nimmt als erster Dokumentarfilm das Thema der ersten Jahre von Techno in Deutschland auf und entwickelt aus Interviews und zeitgenössischen Filmaufnahmen ein präzises, differenziertes Bild.

Innerhalb eines Jahres ist aus fünfzig Stunden Interviews mit dreißig Szene-Aktivisten, zahllosen Archivaufnahmen, Fotos, Flyern und Zeitungsausschnitten ein spannendes Bild der Anfangszeit von Techno in Deutschland entstanden. Maren Sextro und Holger Wick sind seit Langem selbst in der Szene aktiv und konnten auf ein über Jahre entstandenes Netzwerk zurückgreifen. Sie kontaktierten verschollene Legenden und durchforsteten unzählige, meist eingestaubte Privatarchive nach Zeugnissen vergangener Partys und Raves.

Der Film dokumentiert das Geburtsmoment einer Szene, die maßgeblich mitbestimmt hat, wie heute auf der ganzen Welt zu elektronischer Musik gefeiert wird. Der Zuschauer erlebt, wie aus einer avantgardistischen Spezialmusik die Ausdrucksform einer gesamten Generation wurde, wie sich die elektronischen Klänge zwischen 1989 und 1993 von einem Geheimwissen in die Universalsprache der deutschen Jugend verwandelten. Die hundertminütige Reise führt von Frankfurts EBM-Szene in das Berlin unmittelbar nach dem Mauerfall, wo besonders die Ostdeutschen die repetitiven Klänge als Masterplan für ausgelassene Feste umfunktionierten. In den meistens mehr oder weniger zufällig entstandenen Aufnahmen erlebt man Clubs wie das Dorian Gray, UFO, Planet oder Omen, erste Partys wie Tekknozid, Pure Energy, Cosmic Orgasm und die Love Parade. In den ausführlichen Interviews entstehen sehr persönliche Portraits ausgewählter Beteiligter, die den Film jenseits der geschichtlichen Chronologie strukturieren.

„We Call It Techno!“ richtet sich an jene, die die Zeit miterlebt haben und sie fast zwei Jahrzehnte später noch einmal Revue passieren lassen wollen – und an die Nachgeborenen, die die Kultur und die Musik erst später kennen gelernt haben. Jenen, die damals auf Techno als reines „Verpeilten“- und Drogen-Phänomen herabblickten, soll der Film ein differenzierteres Bild verschaffen.

„We Call It Techno!“: Aus den schwitzenden, schweißüberströmten Gesichtern strahlt die kollektive Vision eines spontaneren, intensiveren, befreiten Lebens. Der Film geht das Wagnis ein, ein Bild des Flüchtigen, Spontanen, Unmittelbaren zu erzeugen. Aus der konturlosen Masse in Ekstase versunkener Körper entsteht ein feinkörniges Portrait eines einzigartigen Moments des Glücks: „Es ging um nichts anderes mehr als um die Musik. Man brauchte nicht mehr Quatschen wie früher in der Disco.“

Mit Alex Azary, Andreas Rossmann, Ata, Cosmic Baby, Elsa for Toys, Hell, Jürgen Laarmann, Mark Reeder, Mike Ink, Mijk van Dijk, Ralf Niemczyk, Sven Väth, Tanith, Thomas Koch, Triple R, Upstart, Wolle XDP und anderen.