Obamas Rede vor der Democratic National Convention: I have a dream!

Ich habe mir grade die komplette Rede Barack Obamas vor der Democratic National Convention angesehen. Die ist natürlich ein einziges Whoohoo (Obama muss zwei Minuten lang „Thank you“ sagen, bevor er überhaupt zu etwas anderem anheben kann), aber ich muss wirklich zugeben: diese Rede macht es mir schwer, nicht zum kompletten Obama-Fanboy zu werden. Mir ist auch klar, dass er nur innerhalb des Systems agieren kann und deshalb wirkliches „Change“ mehr als schwer werden dürfte. Aber dieser Moment bei Minute 8:30 (circa), vor dem er erstmal eine Reihe der Verbrechen der Bush Administration aufzählte („A Government that sits on its hands while a major american city drowns before our eyes“) und dann jedem Amerikaner, jedem Demokraten, jedem Republikaner ein einfaches Wort förmlich um die Ohren haut, der trieb mir tatsächlich eine Gänsehaut über den Rücken.

ENOUGH!

Solche Momente folgten in dieser Rede noch ein paar mal und es war wahrscheinlich das erste Mal, dass ich einem Politiker mit Herz lauschen durfte, mit echtem, authentischen, wahrem Herz, einem Politiker der trotz aller Widerstände an seine Sache glaubt. Ein Vergleich hierzulande fällt mir schwer, nichtmal good old Joshka Fischer hatte dieses Format. Tatsächlich glaube ich, dass Obama einen Politiker einer neuen Generation darstellt, der seinen politischen Gegner nicht einfach nur als unfähigen Idioten dastehen lässt, sondern als respektablen Herrn, der einfach ungeeignet ist („It's not because John McCain doesn't care. It's because John McCain doesn't know“). Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass Amerika diesen großen Mann nicht zum Präsidenten wählt. Denn man spürt, dass er zwar innerhalb des politischen Systems agieren muss, aber nicht aus demselben stammt („Whenever those values are at stake, Change doesn't come from Washington, Change comes to Washington“), was ihm eine einigermaßen unabhängige Perspektive auf das Amt ermöglicht, dass er anstrebt.

Tonight, I say to the American people, to Democrats and Republicans and Independents across this great land - enough!

Und dann schaue ich, nachdem ich mir diese Rede angeschaut habe, auf die deutsche Politik, die angesichts von anstehender Finanz- und Wirtschaftskrise vor allem eins tut: Maul halten und Nichtstun. Merkel, Beck, Müntefering, bäh. Ich hätte ganz gerne auch einen deutschen Politiker, der sich am Jahrestag von Martin Luther Kings „I have a Dream“-Rede hinstellt und sagt: „Ich hab' auch einen“.

Ich glaube tatsächlich, da mag ich naiv erscheinen, aber ich glaube da echt dran: die Tage von Lobbyismus sind langfristig gezählt. Die Tage von lügenden Politikern sind langfristig gezählt. Die Tage von Politikern, die gegen die Interessen der Bürger arbeiten, sind langfristig gezählt. Nennt mich naiv, eines weiß ich, I have a dream:

ENOUGH!

Hier das Transkript von Obamas Rede vor'm DNC.