Essays von Stanislav Lem auf Telepolis und der Geist aus der Maschine

Stanislav Lem hat auf Telepolis ein paar wunderbare Essays zu Futurismus und der Entwicklung von diesem ganzen digitalen Dings geschrieben, unter anderen einen, den ich vor acht Jahren gelesen hatte, der wunderbar eine spinnerte Theorie über ein bewusstseinentwicklendes Internet ersann (die ich hier schonmal erwähnt hatte und die Teil dessen ist, was man heute technologische Singularität nennt), den ich dann aber nie wieder gefunden hatte... bis heute! Telepolis hat nämlich eine Sammlung alles Lem-Essays, darunter eben auch der erwähnte „Geist aus der Maschine“.

Um aus den weltweiten Computer-, Server- und Browser-Verbindungen auf der globalen Ebene einen Funken des Bewusstseins zu schlagen, müsste man zuerst über das Material in ausreichender Menge verfügen: eine Milliarde von Computern auf der Welt ist noch viel zu wenig! Zweitens müsste man detailliert erkennen, wie im Gehirn die Verbindungen innerhalb der "Neuronengruppen" strukturiert sind und wie lange die Strecken, also die impulsleitenden "Fasern" sind, mit denen die einzelnen "Neuronengruppen" miteinander verbunden werden. Drittens müsste es irgendwelche "auf die Welt gerichteten" Äquivalente der Sinnesorgane zum Hören, Sehen etc. geben. Und viertens wäre eine heute völlig unbekannte "Partitur" dieser "Bewusstseinssymphonie" nötig, die wir spielen möchten.

Zunächst aber müssten wir qualitativ und quantitativ die Elemente des globalen Systems mit der Rechenkraft ausstatten, die ein natürliches Gehirn besitzt. Dann müssten, und das könnte sich als teuflisch schwierig erweisen, alle diejenigen, die über Computer, Server usw. verfügen, unter dem Kommando jener Partitur stehen. Es wird kein Boot auslaufen, falls jeder Ruderer auf eigene Hand in die Richtung rudern wird, in die er gerade will. Die hier beschriebene Konzeption zeichnet sich nicht nur durch eine geringe Wahrscheinlichkeit der Realisierung aus, auch die Gewinne, die man vielleicht aus einer gelungenen globalen Integration erzielen könnte, wären sicherlich gering, die Erkenntnisgewinne aber wären riesig ...

Essaysammlung von Stanislav Lem auf Telepolis (via Thomas)
Stanislav Lem - Geist aus der Maschine