Ich gegen die gigantische Killerheuschrecke from outer Space

Da gibt es diese mehr als lästige Sommertradition. Jedes Jahr an schwülheißen Tagen wie heute, verirrt sich eine riesige Heuschrecke in die Wohnung, verfängt sich in den Gardinen oder hockt einfach auf dem Boden herum. Nun gibt es nicht besonders viele Viecher, vor denen ich Schiß habe. Ich kann gut mit Hunden, auch mit Katzen, wenn's sein muss, ich habe Kühen beim kalben zugesehen und Schweine gefüttert, ich laufe auch vor wütenden Enten nicht davon, bin schonmal unpanisch einer Schlange im Wald begegnet und Sperlinge haben mir in Berlin fast aus der Hand gefressen. Call me Ace Ventura minus the blöde Haartolle. Aber wenn mir einer mit Insekten kommt, die größer als ein Daumennagel sind, dann springe ich durch die Gegend wie der Hulk.

Und deshalb machte ich erstmal einen oder zwei Hüpfer in die Luft, als grade eben eine Heuschrecke, so groß wie ein Güterwaggon, ein Flugzeug oder der Large Hadron Collider (so 12 Zentimeter, schätze ich mal) durch die Tür gehüpft kam, und mich mit fiesen, rotglühenden Augen fixierte und mit der fiesesten Stimme seit Lemmy Kilmister sagte: „Deine letzte Stunde hat geschlagen, Bübchen. Ich werde dir jetzt den Bauch aufschneiden und deine Innereien zum Abendessen verspeisen“. Lemmy Kilmister ist übrigens einer der wenigen ungewöhnlichen Namen, die ich mir merken kann, ohne sie nachzuschlagen, keine Ahnung, warum dem so ist, aber es ist so. Die Heuschrecke, mittlerweile so groß wie Hessen und mit einer Axt bewaffnet, kam also schnurstracks rüber und schickte sich an, mir mit seinen gefletschten Zähnen den Hals aufzureissen und mein Blut zu trinken.

Was ich sagen will: das Viech kam also reingehüpft und hockte dann nichtssagend und nichtstuend auf dem Boden rum. Trotzdem bin ich zweimal aufgesprungen und als ich zu dem Viech rüberging, hab ich mich auch noch dreimal geschüttelt. Aber auch einem Heuschreckenschisser wie mir war ja klar: das Tier musst Du irgendwie loswerden, Übernachten is nich, Baby. Und töten wollte ich das Viech auch ungerne. Nicht so sehr, weil ich Heuschrecken so gut leiden kann, eher wegen der Sauerei. Ich meine, eine zermatschte Riesenheuschrecke from outer Space macht sicher eine Menge Dreck. Man denke nur mal an das ganze Zeug, dass dann da rausquülle (< -- geiles Wort, wa?), wenn man da draufschluge. Also nahm ich meinen ganzen Mut zusammen, warf einen Staublappen auf das Vieh, trug den zusammen mit dem grünen Passagier auf die Terasse und schüttelte das Insekt in die Freiheit, wo es munter davonflatterte. Oder hüpfte. Oder beides. Als ich das überstanden hatte, wand ich mich noch fünfzehnmal in den wildesten Zuckungen und setzte mich an die Tastatur, um zu tippen. Und das passiert mir in jedem verfickten Sommer genau einmal: meine lästige Sommertradition mit der gigantischen Killerheuschrecke from outer Space.