Das Internet-Massaker

Die De:Bug hat einen langen und sehr klugen Artikel zur Netzneutralität am Start, unbedingter Durchlesbefehl!

Das Internet, wie wir es kennen und lieben gelernt haben, ist ein Auslaufmodell. Seine heute noch weitgehend offene Struktur wird in Zukunft durch Filter, Barrieren und Mautstationen eher einem Labyrinth ähneln, dessen Durchlässigkeit sich je nach Staatszugehörigkeit, Liquidität und Hartnäckigkeit des Nutzers unterscheidet. Das Szenario ist zwar noch kein ausgemachte Sache, aber es wird immer wahrscheinlicher. Denn zum einen wächst bei den entscheidenden Akteuren das Bedürfnis den anarchischen Datenfluss zu kontrollieren. Netzbetreiber, Rechteinhaber und Serviceanbieter versprechen sich davon neue Einnahmenquellen, während Staaten ihre feuchten Überwachungsträume verwirklichen wollen.

Und entgegen der Legende vom renitenten Netz, dessen Architektur eine effiziente Überwachung verhindert, sind die Kontrollwünsche heute zunehmend technisch machbar. Die entsprechenden Lösungen sind zwar nicht besonders elegant, aber sie funktionieren dank explodierender Rechenkapazitäten immer besser. Womit auch schon die Ursache für den Aufstieg des offenen Internets und seine düstere Zukunft benannt wäre: Das freie Netz ist nämlich schlicht das Produkt einer historischen Mangelsituation und seine viel gepriesene Offenheit vor allem ein Ausdruck äußerster Effizienz. Denn als vor drei Jahrzehnten verschiedene Computer-Netze zum Internet zusammenwuchsen, war Speicherplatz knapp, Rechner und Software liefen eher wackelig als stabil und die Prozessorgeschwindigkeiten waren ein müder Witz.

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