Die Zeit, Youtube und das Urheberrecht

Gepostet vor 9 Jahren, 1 Monat in #Misc #Copyright #Internet #Journalism #Legal #Media #Youtube

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Marcus Rohwetter hat für die Zeit einen Artikel zum Rechtsstreit zwischen Viacom/MTV und Google/Youtube verfasst, der nur so vor Lächerlichkeiten strotzt, dass ich da echt was zu sagen muss. Ich bin ja viel gewohnt, aber gleich der allererste Satz ist schon eine bodenlose Frechheit und zeigt, dass der Autor das Konzept „online“ wahrscheinlich nur aus der Eingabemaske seines CMS' kennt, während er wahrscheinlich AOL für das Internet selbst hält.

YouTube ist eine digitale Halde für Videoschrott.

Das ist eine einzige Ohrfeige für alle, die schonmal etwas bei Youtube hochgeladen haben, das mehr zeigt, als (wie er schreibt) „einen dicken Briten namens »Expanda« [...], der nach dem Genuss von vier Litern Cola seine pralle Wampe streichelt“. Das ist ein Journalist, der aus seinem Offline-Elfenbeinturm auf den Pöbel spuckt, der die brillanten Videos von Lasse Gjertsen nicht kennt oder nicht weiß, wo zum Geier Matt steckt. Und wenn ich sowas nicht kenne, schreibe ich natürlich darüber. So funktioniert es also, wenn sich klassische Medien sich zu Online-Themen äußern, super. Weiter schreibt er über Musikvideos:

Hochgeladen wurden sie indes von Mitgliedern der YouTube-Gemeinschaft. Damit sind sie zugänglich für jedermann, jederzeit, kostenlos. Ein Horror für professionelle Künstler.

Marcus Rohwetter ist also der Meinung, wenn etwas nicht jederzeit kostenlos zugänglich für jedermann wäre, dann wäre das der paradiesische Zustand für einen Künstler. Nun gibt es ja tatsächlich ein paar Künstler, die das so sehen. Das ist ihr gutes Recht. Noch. Es gibt allerdings auch andere Künstler, die stellen ihre Videos selbst bei Youtube hoch, es gibt ganze Labels, die das machen, auch Majors. Rohwetter ist das egal, Youtube ist schließlich „eine digitale Halde für Videoschrott“ und Urheberrechtsverletzungen, da ist kein Platz für albernes Rumdifferenzieren. Und dann schreibt er schlichtweg falsche Sachen in sein Pamphlet:

Denn kaum war das Urteil gefallen, beklagten sie die drohende Preisgabe ihrer Daten an Viacom – obwohl der Konzern gar keine einzelnen Namen verlangt hatte.

Das ist natürlich tricky formuliert, denn natürlich hat der Konzern keine Namen verlangt. Der Richter hat die Herausgabe von IPs und damit natürlich im Endeffekt Personenbezogene Daten verlangt. Es werden ja sogar die IPs von Blogs weitergegeben, wenn ich hier ein Youtube-Video poste, dann landet mein Blog bei Viacom und in meinem Impressum steht mein Name. Aber so genau muss man das natürlich nicht nehmen, nicht wahr? Rohwetter?

Immerhin gibt er am Ende zu, was sein Artikelchen tatsächlich ist, denn „Es mag ja anachronistisch klingen, die Verbreitung von Bildern, Tönen und Texten im digitalen Zeitalter noch kontrollieren zu wollen“. Das „Aber“ erspart er einem leider nicht und schließlich kehrt er zurück zu seiner gestreichelten Wampe, vielleicht hat er ja auch einen Wampen-Fetisch, wer weiß.

Irgendwo in der Mitte schrieb er übrigens auch einen korrekten Satz, der quasi die Kernaussage des Artikels ist: „Das Duell steht somit auch für den Kampf der alten gegen die neue Medienwelt und für die Frage, welches Geschäftsmodell im Internet funktioniert“. So ist es. Und wenn Artikel wie dieser für die alte Medienwelt stehen, dann bin ich froh, dass sie durch teh Internets mächtig ins Wanken gerät und von mir aus kann Viacom Youtube ruhig plattmachen, dafür starten dann zehn neue Youtubes, wie bei der Hydra und das nächste Videodings ist nur einen Klick weit weg. Aber erklär' das mal einem wie Rohwetter.

(via)

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