Atari vs. Pressefreiheit, droht Gameseiten mit dem Anwalt wegen schlechter Reviews (UPDATE)

Wie haue ich mir als Spielefirma meinen nicht-mehr-ganz-so-legendären Namen völlig zu Klump? Genau: Ich drohe Game-Sites, die meine anscheinend eher recht mauen Games auch als solche rezensieren, mit dem Anwalt. Micha meint:

Atari droht 4Players, wegen einer recht schlechten Bewertung von Alone in the Dark und schickt den Anwalt ins Gefecht. Schlappe 68%, also ein "befriedigend", konnten die PC- und Xbox360-Fassung abstauben. Die Versionen für Wii und Playstation schnitten sogar noch ein paar Punkte schlechter ab.

Dass Atari in Zeiten von MetaReview und Co. bei einer solchen Bewertung zittrig wird, kann man durchaus verstehen. Insbesondere wenn's um einen DER Top-Titel des Jahres geht. Und dann noch einem mit einem wirklich legendären Namen: Alone in the Dark. Solch einen Titel im Dreck zusehen ist schon ein Schlag ins Gesicht. Sowohl für Entwickler, Publisher und die Spieler.

Und was macht Atari jetzt? Statt die Bewertung wie ein Mann hinzunehmen, Besserung zu geloben und eventuell an einem Update zu feilen schwingt man Finanz- und Rechtskeule. Wie Jörg Luibl. 4Players-Chefredakteur, schreibt, hat Atari zunächst eine gebuchte Werbekampagne storniert und dann, einen Tag nach erscheinen des Tests, den Anwalt vorgeschickt: Laut einem Fax verstoße der Test, Achtung gleich wird’s witzig(!), gegen geltendes Recht und verletzte die Rechte von Atari! Der Test sei eigentlich keiner, da er nicht objektiv sei und außerdem: Wie kann 4Players eigentlich das Spiel testen, wenn's Atari 4Players garnicht hat zukommen lassen?

Und da dass alles, so Atari, ja gar nicht angeht, soll'n die Jungs von 4Players jetzt eine 'strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung' mit einem Streitwert von 50.000 Euro unterzeichnen.

Das Magazine bei Spielen sowieso nicht besonders kritisch sind, wahrscheinlich, weil sie Werbeeinbußen befürchten oder gleich irgendwelche Verträge mit irgendwelchen Firmen haben, ist nix neues. Wenn eine Website oder ein Magazin dann doch mal kritisch wird und ein Spiel richtig schlecht bewertet (was ja dann, wie auch in diesem Fall, nicht die komplette Bewertungsskala ausnutzt – da sind wir bei den Filmfreunden gnadenloser), dann muss da wirklich was dran sein. Wenn sich nun aber eine Firma herausnimmt und festlegen will, was ein Review ist („Gleichzeitig missachten Sie die Standards, die für Warentests gelten.“) und mit einer „strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung“ ankommt, dann ist das eine Frechheit sondergleichen.

Hallo Atari? Ihr könnt uns mal.

Signed.

Link zum Artikel auf Neuerspieler
Link zum Posting bei 4Players

[update] In der heutigen Trackback-Sendung gibt's ein Statement von Atari zur Sache.

[update2] Atari macht sich noch lächerlicher, als schon vorher. Laut Atari dürfen vor einem Release-Date-Embargo (ich kann mir zwar denken, wass das heissen soll, kann mir aber auch denken, dass sowas in Internetz-Zeiten sowas von 2007 ist) ausschließlich hohe Bewertungen veröffentlicht werden. WTF?!