Indiana Pownes

Ich hatte mir ja ganz, ganz, ganz, ganz fest vorgenommen, die ganzen doch eher, gelinde gesagt, negativen Reviews zu widerlegen und die Schreiber als nostalgisch verklärende Anhänger einer Bildwelt darzustellen, die jene alten Helden der Kindheit nicht als das erkannten, was sie schon damals in den Achtzigern waren: mit Tricks und Effekten aufgepumpter, bunt und groß, aber eben auch meisterlich erzählter Trash. Ich wollte wirklich schreiben, dass mich der großzügige Einsatz von CGI nicht weiter stört und auch, dass Aliens und Indy doch eigentlich ganz gut zusammen gehen, dass das Drehbuch zwar schlimm ist, die Performance von Ford und die Regie von Spielberg das alles aber wieder rausreißen...

Allein: es wäre gelogen.

„Indiana Jones und das Reich des Kristallschädels“ wirkt nicht als Teil der Reihe, weil er wie eine Satire auf sich selbst wirkt. Und das ist das allerschlimmste an diesem Film. Es sind nicht die CGI-Ameisen oder Mutts Tarzaneinlage, auch nicht der Kühlschrank und die Atombombe und all das hat mich auch im Einzelnen gar nicht weiter gestört... es ist die pure Aneinanderreihung dieser Szenen, die untereinander, wie Telepolis ganz richtig bemängelt, absolut austauschbar sind. Es ist völlig wurscht, ob Indy nun zuerst vor Kommunisten flüchtet und dann in einem Ameisenhaufen landet, all diese Szenen tragen genau nichts zur Story bei. Sie sind lediglich Beiwerk.

Das gab es bei den Vorgängern auch, zuhauf sogar (Affenhirn, anyone?), dennoch wirkt die krasse Übersteigerung eben wie Satire und nicht wie ein Film, der sein eigenes Genre trotz seiner Zugehörigkeit zum Pulp ernst nimmt. Denn eines tut Pulp ganz sicher: er nimmt seine Figuren und seine Geschichte ernst. So ernst, dass er eben Pulp wird. Indiana Jones 4 tut genau das nicht.

Es ist ein kicherndes Machwerk, das auf die Vorgänger zeigt und sagt: „Schau mal, was wir früher für einen Blödsinn gedreht haben. Das machen wir jetzt in noch größer.“ Genau diese Arroganz gegenüber den Fans und dem früheren Werk sieht man dem Film leider an. Und daran ändern, wie gesagt, weder die gute Darstellung von Harrison Ford, noch die handwerklich gute Regie von Steven Spielberg etwas. Wäre man gemein, könnte man sagen, dass Indiana Jones 4 mit dieser Einstellung auf einer Linie mit den Machwerken von Roland Emmerich liegt. Aber dann wäre man wirklich ein böser Mensch (weil dessen Filme zwar die gleiche satirische Übertreibung bieten, darüber hinaus aber noch blödere Drehbücher und erst Recht keinen Steven Spielberg vorweisen können).

Und auf diese schonmal prinzipiell blöde Grundhaltung kippen die Macher dann noch einen Riesenhaufen CGI-Affen und Humor für Leute mit AD-Syndrom. Karen Allen sitzt mit einem Lenkrad in den Händen im Wasser und muss die Augen aufreissen und debil vor sich hingrinsen. Dieser Indiana Jones entwürdigt seine Figuren und das hat weder mit CGI noch mit Aliens zu tun, sondern mit George Lucas' fehlendem Feingefühl für seine ikonenhaften Charaktere. Ein Indy, der einem UFO beim Abheben zuschaut, ist die konsequente Weiterführung von Yoda, dem lichtschwertbehafteten Ninja-Turtle aus Episode 2. Solche Dinge sind das Zuendedenken dieser Figuren in Lucas' Gedankenwelt mit modernen Mitteln, und genau die sollte ihm irgendjemand wieder wegnehmen. Vielleicht kriegt er ja dann wieder mal einen ikonographischen Film hin. Und nicht lediglich eine Satire darauf.

Wenn die Augen der Kristallschädel wenigstens geleuchtet hätten... Seufz.