Interview mit Design-Legende Peter Saville

Das Art-Magazin hat ein sehr tolles Interview mit Peter Saville am Start, in dem er über die Anfänge bei Factory Records und die Joy Division-Cover redet. Danach wird es mir persönlich ein bisschen zu fashion-lastig, aber der Anfang ist eine Zeitreise in die Siebziger, als Punk zu Post-Punk wurde und die Achtziger langsam anfingen, mit ihrenn Neonlichtern zu winken.

Herr Saville, Ihre Designarbeiten für Bands wie Joy Division, New Order und deren Label Factory aus den achtziger Jahren gelten als moderne Klassiker der Pop-Grafik. Woraus bezogen sie ihre Inspiration?

Peter Saville: Auf dem College entdeckte ich den Kanon der Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ich war ziemlich enttäuscht, als ich anfing zu erkennen, wie viele Lösungen und Ideen bereits für das Dasein in der Moderne erdacht worden waren. Man schaut aus dem Fenster und denkt: Warum ist das alles nicht passiert? Warum ist unser alltägliches Erleben so beschränkt und unbefriedigend, wenn es doch längst Vorschläge gibt, diesen Zustand zu ändern? Wir fangen ja gerade erst an, das Bauhaus zu begreifen. Die deutsche oder die amerikanische Erfahrung mag anders aussehen, meine Erfahrung war jedoch nun mal die der ehemaligen Industriestädte Nordenglands. Die waren nicht gerade prächtig und sind es immer noch nicht.

Pop bot da einen Ausweg?

Ich war unzufrieden mit dem Alltag und glaubte, dass ich eine stärkende Ästhetik hineinbringen könnte. Die komplett unkommerzielle und unhierarchische Umgebung von Factory Records erlaubte mir, genau das zu tun. Durch das Label hatte ich die Gelegenheit, diese Referenzen zu zitieren und diese Dinge in unseren Alltag zu transportieren.

Factory war kein kommerzielles Unternehmen?

Ich sage bewußt unkommerziell statt nichtkommerziell. Es gab natürlich Leute, die Geld verdienen mussten. Aber Tony Wilson, die treibende Kraft hinter Factory, hatte einen regulären Vollzeitjob, er arbeitete beim Fernsehen und hatte ein festes Einkommen. Für Tony war es eine idealistische Unternehmung. Diesen Geist atmete alles, was wir taten. Gleich nach der Universität war Tony beim Fernsehen gelandet, er hatte also eigentlich keinerlei Erfahrungen als Geschäftsmann. Er war nie Teil der Musikindustrie gewesen. Wir denken, wir wissen Bescheid über Musik, Magazine oder über das Internet, aber das stimmt nicht. Man weiß ja erst Bescheid, wenn man all diese Dinge selber macht. Auch die Leute, die in den Factory-Bands spielten, hatten ihre Tagesjobs und machten ihre Musik in der Nacht. Niemand wusste, wie man etwas richtig machte, auch nicht ob etwas falsch war. Das war fabelhaft. Jeder trug seinen Teil so bei, wie er ihn eben beitragen wollte. In meinem Fall hieß das: Ich war in der Lage, die Produkte in einer für mich interessanten Ästhetik zu präsentieren. Ich machte das, was mir gefiel.

Auch toll, ein paar Sätze weiter:

Wenn man Grafikdesignern sagt: "Mach was Du willst", tendieren sie dazu, Kalender oder Alphabete zu produzieren. Die wissen einfach nicht, was Sie tun sollen, wenn man ihnen keine Botschaft gibt.

Der Satz ist sowas von wahr!

Link (Danke Alain!)