Night of the living Tageszeitung und die doofe Jugend von heute

Gepostet vor 9 Jahren, 3 Monaten in #Misc #Journalism #Media #Print

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Die Leute sagen ja immer, die Jugend würde nicht mehr lesen. Pardon: die Jugend liest nicht mehr genug Gedrucktes. Oh, nochmal sorry: die Jugend liest nicht mehr genug Gedrucktes, außer Harry Potter und Terry Pratchett und Tintenherz und weiß der Geier. Sprich: die Jugend liest nicht mehr genügend Zeitung. Und das sehen Journalisten natürlich nicht gern, zumindest die Journalisten, die medienfixiert schreiben, sprich: Printjournalisten. Und weil alle viel mehr schreiben und lesen als früher, nur eben nicht so, wie das die ehemaligen Gatekeeper gerne hätten, gründen sie einen Verein zur Rettung der Tageszeitung. Don Dahlmann schreibt dazu:

Mag ja sein, dass die 15 bis 30jährigen keine Zeitung mehr lesen, vor allem keine Tageszeitungen. Man könnte sich ja auch mal Gedanken darüber machen, warum die Leute keine Zeitung mehr lesen. Weil sie "WoW" spielen? Sicher - mag sein. Möglicherweise liegt es aber auch daran, dass die Printausgaben mancher Zeitung besonders außerhalb der viereinhalb Großstädte in Deutschland einfach schnarchlangweilig sind und nur noch aus zusammengetackerten dpa Meldungen, Werbung und einem zusammengedampften Lokalteil bestehen. Welcher Jugendliche interessiert sich schon für eine Tageszeitung, mal abgesehen vom Sportteil? Und war das jemals anders?

[...]

Die Gründung einer "Nationale Initiative Printmedien" macht das Elend der deutschen Printmedien und auch der deutschen Politik im Umgang mit dem Internet nur allzu deutlich. Man spürt, dass sich etwas ändert, man merkt, dass etwas passiert, was man nicht versteht, also gründet man einen Verein.

Ich lese seit drei Jahren keine gedruckte Zeitung mehr. Wozu auch? Ich kann jegliche Themen in meinem Feedreader plus Bookmarks von allen, aber auch wirklich allen Seiten beleuchten. Und dann bringt mir ein Haufen totes Holz am nächsten Morgen die staubtrockene Fakten dazu, zusammenkopiert aus einer DPA-Meldung. Wozu sollte ich das kaufen, geschweige denn lesen? Und was interessiert mich der Hasenzüchterverein in Groß-Bieberau? Und was kümmert es den Hasenzüchter, wenn etwas über seinen Hasenzüchterverein in Groß-Bieberau in der Zeitung steht? Der weiß das alles doch schon längst aus dem Vereinsheftchen!

Mit anderen Worten: nicht die Jugend hat ein Problem, sondern die gedruckte Tageszeitung. Und während sich die Süddeutsche wegen des super Vereins wahrscheinlich selbst auf die Schulter klopft, kommt ausgerechnet bei spOnline ein sehr schöner Artikel zum Thema, dessen Kernaussage für mich folgende ist:

Das wahre Problem, und das wissen vermutlich auch die Initiatoren der "Initiative Printpresse", liegt ganz woanders: Anzeigen auf Papier sind im Augenblick noch deutlich teurer als Anzeigen auf Webseiten. Der Wandel von analog zu digital bringt keine primär gesellschaftliche, sondern eine primär wirtschaftliche Schwierigkeit mit sich: Guter Journalismus ist teuer, und Online-Journalismus rechnet sich zu den derzeitigen Marktpreisen nur in einigen wenigen Fällen. Das ist ein Problem - aber man löst es gewiss nicht, indem man die weglaufende Zielgruppe fortwährend der Dummheit bezichtigt.

Ich habe früher schon gerne und viel gelesen, heute hat sich das nochmal verdoppelt, vielleicht sogar verdreifacht. Dank des Netzes formuliere ich Texte bewusster als zuvor, auch wenn ich dabei Kraftausdrücke benutze. Die setze ich nähmlich auch sehr bewusst ein. Jetzt zum Beispiel: Tageszeitungen sind sowas von gefickt, doh!

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