„Somewhere over the Rainbow“ auf Speed

Telepolis hat ein sehr interessantes Interview mit Hans-Christian Dany über Speed und die Rolle von Amphetamin in der leistungsorientierten Gesellschaft und spinnt dabei den Bogen von den Nazis, über Judy Garland, Jack Kerouac, Andy Warhol bis zu Punk und Techno.

Auch die junge Schauspielerin Judy Garland funktionierte.

Hans-Christian Dany: Garland sang 1938 in den USA 16-jährig unter starkem Amphetamin-Einfluss "Somewhere over the Rainbow". Bei Garland ging es dem Werksarzt der Filmfabrik darum, den Körper der pubertierenden Darstellerin auf die Figur der 10-jährigen Dorothy in "Wizard of Oz" herunter zu hungern. In der damaligen Faszination für die technologischen Möglichkeiten von Drogen schien die Medizin kein Problem bei der Behandlung von Kindern zu haben.

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Kann das klappen, kreative Schübe durch Speed?

Hans-Christian Dany: Für die moderne Kunst spielt das Kreative nur eine nachgeordnete Rolle. Warhol oder andere Kunstbewegungen der sechziger Jahre, wie auch vieles, was in den Zusammenhängen von Punk oder Techno entstand, das sind kulturelle Bewegungen, die ohne Speed kaum vorstellbar wären und sich bewusst antikreativ verstanden. Da ging es darum, Energien zu bündeln, sich reinzusteigern, Gedanken extrem zu fokussieren und rückhaltlos auf den Punkt zu zusteuern. Die Ausgangsidee kann dabei ganz banal sein, man muss es halt nur mit der Letztgültigkeit isolieren und behaupten. Das braucht es Zeit, in der man einfach wach sein muss. Häufig ist es weniger der Einfall die Leistung, sondern deren Behauptung. Warhol, dem selten was einfiel, ließ sich Ideen von anderen flüstern und hat sie dann auf die Spitze getrieben.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen seiner repetitiven Kunst und Amphetamin?

Hans-Christian Dany: Auf Amphetamin zeigt sich bei vielen Benutzern das Phänomen des "punding". Das ist die Faszination für Monotonie und Wiederholung. Deshalb entstanden unter Einfluss von Speed vielleicht soviele wunderbare Bild für die fordistische Revolution, deren Grundgedanke – die Wiederholung des immer gleichen Handgriffs am Fließband - sich durch den Gebrauch einer Droge übersteigert.

Da fehlt mir nur noch der Mythos von Bret Easton Ellis, der seinen „American Psycho“ in nur zwei Wochen eingeschlossen in einem Hotelzimmer auf Speed verfasst haben soll. Definitiv sehr interessantes Interview.

Link (Danke Julie!)