Missgünstiger Griesgram zum Feierabend

11.04.2008 Misc #Storys

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Und dann saß da heute dieser missgünstig dreinschauende Sack im Zug auf der Heimfahrt, der schaute missgünstig auf meine Dietsch-Pizza mit Mozarellakäse, nachdem er missgünstig in Kauf nehmen musste, dass ich mich ihm gegenüber hingesetzt hatte. Missgünstig fuhr er seine ausgedehnten, überschlagene Beinhaltung ein, nachdem ich ihm mit zehnmaligen Tritt auf die Füße zu verstehen gegeben hatte, dass ich hier nicht nur sitzen und essen, sondern auch ein klitzekleinesbisschen Platz haben wollte. Missgünstig schaute der alte Sack auf meine Pizza, dann auf mein Star Wars-Shirt und auf mein Powerbook, auf dem ich begann, die letzte Folge der letzten Staffel Dexter zu schauen.

Schließlich entdeckte er die zwei Spanierinnen nebenan und auf einmal war er furchtbar interessiert, die Damen waren schließlich halb so alt wie er. Immer noch missgünstig, diesmal aber mit laufendem Sabber gierte er geschlagene fünf Minuten nach links, ohne dass ihm das auch nur im geringsten peinlich war. Erst als die beiden Damen augenscheinlich über ihn zu reden begannen, was ich nicht etwa am Spanisch erkannte, ich kann kein Spanisch, sondern daran, dass die beiden mehrmals mit den Fingern auf den alten, missgünstigen Sack deuteten. Schließlich schaute er missgünstig aus dem Fenster und verfluchte die vorbeifliegenden Bäume, wahrscheinlich weil die da wuchsen, wo sie eben wuchsen.

Als die beiden spanischen Damen irgendwann ausstiegen, schenkte er ihnen einen ausgedehnten Blick auf den Hintern, was ihn auch nicht weiter störte, als die beiden vielsagend mit den Augen rollten. Irgendwann schnappte sich der alte, missgünstige Sack seine Ledertasche schnappte und stieg aus. Und ich dachte einfach nur: „Was für ein Oberarschloch.“