Banksy rockt! Eine Replik.

banksy.jpg

Nico schreibt über Graffiti:

Streetart ist durch den Zusatz “-art” schon von Vornherein verdorben. Der Anspruch ist bereits implementiert. Deshalb werd’ ich hab sofort nur noch “Graffiti” sagen um das Ganze zu beschreiben. Graffiti kann nämlich anspruchslos alles sein. Hässlich, unverständlich und anfängerlich. Und das ist das Großartige daran. Graffiti ist nicht vollkommen und nicht rund. So ein Banksy Stencil schon, deshalb reißen sie allerorts jetzt auch die Mauern raus.

Dabei ist es doch so: Im öffentlichen Raum ist Graffiti die Antwort auf Reklame. Und Reklame hat die gesellschaftlich erforderliche Form zur Akzeptanz: Sie hängt rechtwinklig und im Rahmen, hinter Glas und ist ordentlich beleuchtet. Bis auf ein paar wenige Aktivisten kommt auch niemand auf die Idee sich zu fragen, ob eine wohnhausgroße Verona Feldbusch so eine Stadt nicht vielleicht mehr verschmutzt als ein paar unverständliche Namenskürzel.

Graffiti ist Rückeroberung des öffentlichen Raumes der uns durch Privatisierung (Einkaufspassagen etc.) mehr und mehr genommen wird. Graffitis stehen für eine liberale Gesellschaft und für Meinungsvielfalt.

Nun, das sehe ich alles ein wenig anders, denn Streetart und Graffiti unterscheiden sich fundamental und nicht nur technisch. Streetart hat sehr wohl immer auch eine Message, und wenn es Space Invaders an der Zugbrücke sind, die einem die Digitalisierung des Alltags bewusst macht. Graffiti hat keine Message, hatten sie nie. Bei Graffiti geht es an erster Stelle um Fame. Es geht um Berühmtheit, es geht darum, den eigenen Namen mit Tags, möglichst aufsehenerregenden Pieces und Wholetrains im Viertel bekannt zu machen und das in möglichst innovativen, bunten, großen Styles. Da geht es um Ästhetik, Typographie und Kaligraphie, nicht um Kritik oder Message.

Die Rückeroberung des öffentlichen Raumes ist etwas, das Streetart schon immer immanent war, Graffiti aber nachträglich aufgepfropft wurde. Zugegeben: es ist ein schickes Argument pro Graffiti und ich benutze es auch gerne, streng genommen ist es aber Bullshit. Trotzdem ist sind mir die großen, bunten Pieces allemal lieber als die dauergrinsende Plakatwerbung, da ist zumindest optisch ein ansprechenderes Gegengewicht.

Ich habe Tagging und Sprühen mal mit dem Bäumemarkieren von Hunden verglichen, ohne das jetzt in der Richtung werten zu wollen. Wohlgemerkt: ich habe früher selbst gesprüht und uns ging es nicht um Kunst oder eine Message. Es ging uns um den nächsten Morgen, als 600 Schüler an dieser Wand vorbeiliefen und jeder einzelne wusste: das bunte, große Ding, das war von uns. Fame, darum geht's bei Graffiti. Politik und Gesellschaft, darum gehts bei Banksy. Deshalb rockt er und deshalb soll er sich einen goldenen Arsch mit seiner Kunst verdienen. Und deshalb lassen sich auch ständig Leute vor seinen Pieces fotografieren, wie in diesem Video zu sehen:


(Youtube Direktbanksy, via)