There Will Be Blood

24.02.2008 Misc Movies #Review

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„Magnolia“ finde ich eine Spur besser als „Boogie Nights“ und beide sind besser als der mir zu verkopfte und zu verkünstelte „Punch Drunk Love“ und alle sind von Paul Thomas Anderson, ein kleines Regie-Wunderkind, der nun also einen auf Arthouse und Anspruch macht. „There will be Blood“ hat mich ja von Anfang an überhaupt nicht angemacht. Daniel Day Lewis ist ein großartiger Schauspieler, dennoch bin ich kein Fan. Die Ära der Jahrhundertwende in Amerika ist eine Ära, die mich quasi überhaupt nicht interessiert, wenn man mal davon absieht, dass ich ein generelles Interesse an Vintage Zeugs habe. Und das Thema Ölförderung steht auch nicht auf meiner Agenda. Spricht als nicht grade wenig für diesen Film.

Dann habe ich ihn gesehen. Und natürlich trifft all das zu, der spröde wilde Westen, so wie er vermutlich wirklich war, das Öl, Kirche, all das machte mich wirklich nicht an und dennoch: der Film hat mich in die Leinwand gesaugt und hinterher wieder ausgespuckt. Was Daniel Day Lewis da spielt ist das absolut Böse, das absolut Unmoralische, geleitet alleine von Gier nach Macht und Geld. Der Film macht nicht den Fehler, dem Geschehen eine mit der Moralkeule zu verpassen, sondern er bildet einfach nur ab. Und das entwickelt einen Sog, wie ich ihn im Kino selten erlebt habe. Nilz hat ganz Recht, wenn er bei den F5 schreibt:

Es geht hier nicht um Moral. Nicht um Ehre. Erst recht nicht um Geld. Es geht um Kraft. Es geht in dem ganzen Film wirklich hauptsächlich um Kraft. Woher kommt Kraft, woher nimmt man sie, was hält sie auf, was kann sie auslöschen. Was fasziniert an Kraft? Und dabei fordert der Film die ganze Zeit die Kraft des Zuschauers, das durchzustehen, mitzumachen und mitzugehen. Den ganzen Weg.

„There will be blood“ ist alles andere als „schön“, obwohl er sehr sehr elegant inszeniert ist, alleine die Eingangsszene, in der Lewis ungefähr zehn Minuten wortlos in seiner Mine schufftend gezeigt wird, entwickelt eine hypnotische Kraft, wie man sie wirklich selten sieht. „There will be blood“ ist der Blick in den Abgrund, man erlebt den Aufstieg des Misanthropen, der schließlich über seine Mitmenschen siegt, währenddessen seinen Sohn verstößt, auch vor Mord nicht zurückschreckt und für den Liebe ein Fremdwort ist und das erschreckenste dabei: man weiß, dass es der Figur völlig egal ist.

Irgendjemand hatte die Tage getwittert, er habe seit diesem Film an nichts mehr bedeutendes denken können, weil alles neben der Wirkung dieses Films verblassen würde. Da ist was dran. „There will be blood“ ist ein absoluter Killer von einem Film, ein absolutes Must-See und für mich schon sicherer Oscar-Kandidat.

Zum Schluß hier noch die abschließende Schlüsselszene des Films, sollte man sich nicht ansehen, wenn man den noch im Kino sehen will. Ein gealterter, versoffener Öl-Mogul säuft einem Priester den Milkshake weg: I drink your Milkshake.


(Youtube Direktmilkshake)

Link zum F5-Review | Link zum Telepolis-Review