Who wants to live forever?

Einfaches Thema, kann man schnell abhandeln: Tod, Unsterblichkeit und Genetik.

Wenn man mit Leuten über den Tod und die Unsterblichkeit redet, bekommt man meistens zu hören, dass man ja bloß nicht 120 Jahre alt werden wolle oder gar 100. Eigentlich wären ja schon 90 zuviel, der Verfall, der Verfall, die Verkalkung, die Knie, die Hüfte, das tut dann alles weh und das will man ja auch nicht, dann lieber vorher den Löffel abgeben.

Ich gehörte noch nie zu diesen Leuten.

Ich würde nicht nur gerne 120 Jahre alt werden, ich gehe sogar so weit zu behaupten, ich hätte mit einem ewigen Leben kein allzugroßes Problem. Ja, doch, schon, vielleicht wenn sich das Universum in 42 Milliarden Jahren wieder zu einer Singularität zusammenzieht, dann wird das schon ein bißchen eng für die Ewigkeit. Was ich aber definitiv sagen kann, dass mir die 80, 90 Jahre hier zu wenig sind. Und das nicht nur, aber auch weil ich die Technik voranschreiten, die Raketenrucksäcke und die fliegenden Autos sehen will, die UFOs und die Besiedelung fremder Planeten. Oder eben die Apokalypse mit der Gewissheit der eigenen Fast-Unsterblichkeit. Klingt ein klein wenig größenwahnsinnig, ich weiß. Aber mir als Atheisten ist der Tod ein Graus und deshalb kann ich es absolut nachvollziehen, dass sich manche Menschen angesichts des absoluten Nichts in irgendeinen Kult flüchten.

Da kommt es mir genau grade Recht, dass man grade mit Hilfe der Genetik dabei ist, den Tod abzuschaffen. Wissenschaftler haben die Lebenszeit eines Organismus durch genetische Manipulation auf das zehnfache erhöht. Das Zehnfache. Macht bei einer durchschnittlichen menschlichen Lebenszeit von 80 Jahren runde 800. Das kommt der Unsterblichkeit zwar nichtmal nahe, ist aber immerhin schonmal etwas.

Valter Longo is one of the small but influential group of specialists in this area who believes that an 800-year life isn't just possible, it is inevitable. It was his work at the University of Southern California that led to the creation of a strain of yeast fungus that can live for 10 weeks or more, instead of dying at its usual maximum age of just one week.

By deleting two genes within the yeast's genome and putting it on a calorie-restricted diet, Longo was able to extend tenfold the lifespan of the same common yeast cells used by bakers and brewers. (The Independent, via)

Gehen wir einfach mal einen Moment davon aus, dass das geht. Theoretisch müsste eine Generation der Menschheit genetisch behandelt werden, damit die nächste „unsterblich“ wäre bzw. 800 Jahre alt werden würde. Die Folgen wären natürlich eine Bevölkerungsexplosion unbekannten Ausmaßes und davon abgesehen, dürfte eine solche genetische Behandlung in dem Maße verteuert werden, dass sie sich nur ein Bill Gates leisten könnte. Das Ergebnis wäre eine neue, uralte Kaste von wenigen Superreichen: wissenschaftlich unterlegtes Futter für feuchte Dystopie-Träume im Stile monarchistischer Science-Fiction a la „Der Wüstenplanet“.

Was jetzt mit meinem eigenen Bedürfnis nach 800 Jahren Good Life erstmal nix zu tun hat, mal ganz davon abgesehen, dass ich die Entwicklung einer solchen Technologie, wenn es sie überhaupt irgendwann geben wird, nicht mehr erleben werde. Leider.

Und einen verdammten Raketenrucksack habe ich immer noch nicht. Arschgeigen!